Lee Cummard : Die schmale Lösung

Albas Neuzugang Lee Cummard ist in Berlin angekommen. Der amerikanische Flügelspieler muss sich erst einmal an eine völlig neue Lebenssituation gewöhnen - und seinen Jetlag loswerden. Bei Alba ist Cummard als dritter Flügelspieler vorgesehen. Und als preisgünstiger Nachfolger für Casey Jacobsen.

Lars Spannagel

Alba Berlins Sportdirektor Henning Harnisch schätzt an seinem neuen Spieler Lee Cummard dessen Aggressivität. Bei Cummards Vorstellung macht der 24-jährige US-Amerikaner am Montag allerdings einen eher verschlafenen Eindruck: Nach einer 14-stündigen Anreise aus Arizona am Tag zuvor kann Cummard wegen seines Jetlags kaum die Augen offen halten. Und nicht nur die Flugstrapazen machen dem 2,01 Meter großen Flügelspieler im Moment zu schaffen: Nahezu alles ist neu für ihn.

Cummard kommt direkt vom College zu Alba, er ist erst zum zweiten Mal in seinem Leben in Europa und wird erstmals mit Basketball Geld verdienen. Von seinem zweijährigen Sohn, der mit Cummards Frau in einem Monat nachkommen wird, war er noch nie so lange getrennt. „Ich weiß noch nicht viel über Alba. Normalerweise wird der Klub wohl Meister oder spielt zumindest um den Titel“, sagt Cummard. Aber auch der kroatische Klub KK Zadar habe ihn verpflichten wollen. „Viele Leute haben mir aber gesagt, ich könne mich glücklich schätzen, für Alba zu spielen.“

Nach vier Jahren an der Brigham-Young-Universität in Utah hatte Cummard gehofft, in diesem Sommer den Sprung in die NBA zu schaffen. Das scheiterte auch daran, dass er nicht nur für NBA-Verhältnisse ziemlich schmal gebaut ist: „Viele Leute hatten Zweifel wegen meines Gewichts und meiner Statur.“ In der Tat wirkt Cummard alles andere als bullig – die 15 Pfund Muskelmasse, die er nach eigenen Angaben in diesem Sommer aufgebaut hat, sind gut unter seinem nicht gerade weiten Polohemd verborgen.
Cummard ist bei Alba als Ergänzung zu den erfahrenen Profis Julius Jenkins und Immanuel McElroy eingeplant. Bei der Verpflichtung des dritten Flügelspieler habe man bei Alba eben etwas wagen wollen und müssen, sagt Harnisch: „Die wirtschaftliche Situation hat da eine größere Rolle gespielt.“ Ein billiger Ersatz für den nach Bamberg abgewanderten Casey Jacobsen soll Cummard aber nicht sein. „Er ist ein kompletter Spieler. Mehr basketballerische Grundausbildung kann man von einem College-Spieler kaum erwarten“, sagt Harnisch und lobt Cummards gutes Reboundverhalten und seinen sauberen Wurf. Dem unerfahrenen Amerikaner werde zugute kommen, dass die meisten seiner Mitspieler bereits mindestens das zweite Jahr in Berlin spielen. Auch die klaren Vorstellungen von Trainer Luka Pavicevic sollen Cummard helfen, sich schnell in die Mannschaft zu integrieren.

„Der Coach erwartet, dass ich hart arbeite und offen für Anweisungen bin“, sagt Cummard. „Aber er weiß auch, dass es am Anfang vielleicht ein langsamer Prozess wird.“ Am Montagnachmittag unterzog sich Cummard dem obligatorischen Fitnesstest, am Abend trainierte er erstmals mit seinen neuen Mitspielern. Bis auf die deutschen Nationalspieler Steffen Hamann und Philip Zwiener sind alle unter Vertrag stehenden Spieler in Berlin angekommen, die Verpflichtung eines Power Forwards steht noch aus. Der dürfte dann auch dickere Arme haben als Lee Cummard.

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