Leichtathletik : Diskuswerfer Harting knackt 70-Meter-Marke

Erstmals in seiner Karriere übertrifft Diskuswerfer Robert Harting die 70-Meter-Marke - und verteilt anschließend 70 Stück Kuchen.

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Erst der 70er, dann der Kuchen. Robert Harting feiert seine neue persönliche Bestleistung.
Erst der 70er, dann der Kuchen. Robert Harting feiert seine neue persönliche Bestleistung.Foto: dpa

Berlin - Robert Harting verteilte strahlend 70 Stück Kuchen. Er hielt also Wort, 2011 hatte er in Halle an der Saale erklärt: „Wenn ich 70 Meter schaffe, gebe ich den Zuschauern 70 Stück Kuchen aus.“ 2011 hatte er in Halle mit 68,99 Meter gewonnen. Gestern landete seine Scheibe nach 70,31 Metern.

Eine „Schallmauer“ war durchbrochen.

Harting hatte 70 Meter selbst als Schallmauer bezeichnet. Jahrelang arbeitete er sich an dieser legendären Weite ab. Vergeblich. Nun übertraf er sie, der Höhepunkt der Werfertage. „Ich freue mich, aber bin auch etwas überrascht. Eigentlich war ich müde vom Training“, sagte Harting. Das klingt abgeklärter, als es wohl gemeint ist. Denn auf den 27-jährigen Berliner vom SC Charlottenburg muss dieser Wurf eine ungeheure Wirkung haben. Fast sein ganzes Denken kreiste um diese 70 Meter. Er kam immer in ihre Nähe, aber mit jedem Wurf, der darunter blieb, erhöhte er den Druck, unter den er sich setzte. Irgendwann hatte man den Eindruck, Harting stelle sich einer virtuellen Machtprobe: die Weite oder ich; schaffe ich sie oder zerbrech’ ich? Werner Goldmann, sein Trainer, sagte mal: „Er reibt sich auf an dieser Weite. Sie belastet ihn enorm.“ Bis gestern stand die Bestweite des zweimaligen Weltmeisters bei 69,69 Metern.

Wer bei Wettkämpfen 70 Meter wirft, der kann sicher sein, dass er kaum zu besiegen sein wird. Aber es geht im Feld der kraftstrotzenden Hünen auch um eine fast archaische Demonstration der Stärke. Diskuswerfer sind Alphatiere, sie kämpfen im übertragenen Sinne ständig um die Position des Leitbullen. Wer 70 Meter wirft, markiert damit einen gewaltigen Führungsanspruch. Den letzten 70-Meter-Wurf landete der Este Gerd Kanter im April 2010, seine Scheibe landete bei 71,45 Meter. Die Topathleten liegen so eng beieinander, dass die Psyche den Unterschied macht. Es spielt keine Rolle, dass Siegweiten bei Höhepunkten mitunter klar unter 70 Metern lagen. Es geht um das Symbol der Stärke. Im Moment ist Harting der Stärkste. Frank Bachner

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