Sport : Leichtathletik: Reden treibt nur den Preis nach oben

Ernst Podeswa

Als die Frage nach der Teilnahme zugkräftiger Stars kam, verwies Stéphane Franke auf den letzten Lauf in Europa des neunfachen Weltmeisters von 200 m bis 400 m, Michael Johnson, und auf einen Vorvertrag mit der dreimaligen Sprint-Olympiasiegerin Marion Jones (beide USA). Ansonsten aber wolle er die WM abwarten, um nicht die Katze im Sack zu kaufen. Und er wollte keine Auskunft geben, wen er noch gern verpflichten würde: "Wenn ich das öffentlich mache, dann erhöht der Manager garantiert den Preis." Und der ist bei 100-m-Turbo Maurice Greene, dem Weltrekordler und Olympiasieger, ohnehin sehr hoch.

Die Zeiten vollmundiger Ankündigungen und des großzügigen Umgangs mit Finanzen beim Internationalen Stadionfest (Istaf) sind vorbei. Dieser Eindruck wurde auf der gestrigen Pressekonferenz vermittelt. Zugleich bekräftigte der ehemalige Weltklasse-Langstreckler Franke, in der neuen Istaf-Mannschaft als Meetingdirektor für die Athletenverpflichtung zuständig, "dass wir auf jeden Fall ein Top-Meeting auf die Beine stellen wollen". Das 60. Istaf am 31. August im Olympiastadion ist erneut die Endstation von sieben Sportfesten der Golden-League-Serie, bei dem 50 kg Gold oder der Gegenwert an die Athleten aufgeteilt werden, die bei mindestens fünf Meetings siegen. Flexibel will Franke auch bei der Zusammenstellung des zweistündigen Hauptprogramms sein, das im Olympiastadion wegen des Umbaus maximal 53 000 Zuschauer erleben können. Zwar seien 14 Disziplinen vorgegeben, "doch ist genügend Spielraum da, um deutsche Weltmeister von Edmonton und Aushängeschilder wie Grit Breuer oder die Stabhochspringer zu präsentieren".

Vorgestellt wurde das neue Istaf-Logo mit dem stilisierten Motiv des startenden Olympiasiegers von 1936, Jesse Owens. Mit Plakataktionen und der Internetanbindung bei www.berlin.de soll zudem die Außenwerbung verstärkt werden. Derzeit zwölf Sponsoren verdeutlichen, dass sich die von Negativschlagzeilen und Pleiteszenarien begleitete Istaf GmbH wirtschaftlich konsolidieren konnte. Wenngleich Geschäftsführer Jürgen Demmel etwas verklausuliert zugab, dass "wir eine Deckungslücke von rund 14 Prozent zum Vorjahrsumsatz haben". Was nach Adam Riese von 3,6 Millionen rund 500 000 Mark wären. Das brächte aber keine Einschnitte in die Qualität des Istaf, weil durch Einsparungen in der Verwaltung und weniger Wettbewerbe der Umsatz geringer würde. Keine Abstriche gibt es am Preisgeld von 1,1 Millionen für die Sportler. Hoffnungen auf Schadenersatz aus der Konkursmasse des Marketingpartners ISL macht sich Demmel kaum, allerdings habe man den ISL-Vertrag "rechtswirksam lösen können".

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