Sport : Leidenschaft siegt

Michael Rosentritt

übermittelt dem Bundestrainer ein Lob Wäre wirklich mal interessant zu hören, was Jürgen Klinsmann seinen Nationalspielern nach einer Niederlage sagt. Bisher sprach der 40 Jahre alte Bundestrainer ausschließlich „Riesenkomplimente“ aus. Für das Gegenteil gab es nach vier Siegen und einem Unentschieden in fünf Spielen auch keinen Grund. Vielleicht sollten wir nun auch mal den Bundestrainer loben. Aber nicht für die hübschen Resultate, oder dafür, dass er in seiner Experimentierfreude mehr als eine Hand voll Neulinge in die Mannschaft wirft, die allesamt funktionieren, aber deren Namen den meisten von uns vor einem halben Jahr noch völlig unbekannt waren. Vielmehr hat er der Mannschaft einen neuen Leistungsgedanken eingehaucht.

Da Deutschland als Gastgeber für die WM kampflos qualifiziert ist, bestreitet die Nationalmannschaft bis 2006 ausschließlich Freundschaftsspiele. In der Vergangenheit grenzten solche Spiele nicht selten an Frechheit, so lust- und ideenlos kickten die Deutschen. Klinsmann verbot das Wort Freundschaftsspiel. Für ihn gibt es bis zur WM nur noch Vorbereitungsspiele. Selbst die Asienreise, die in die knappe Winterpause fällt und daher von Trainern und Spielern kritisiert wurde, kann zu einem Erfolg werden. Wichtig ist nicht, dass die deutsche Elf in Fernost ihre Gegner schlägt, sondern die Art, wie sie das tut. Unter Klinsmann traut sich eben kein Spieler mehr, die Sache schleifen zu lassen. Klinsmann hat den Spielern das Alibi entzogen und erwartet – wann und wo auch immer – Leidenschaft und Einsatzwille. Es geht jetzt jeden Tag um den WM-Titel.

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