Sport : Leise oder laut

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Benedikt Voigt über den nächsten Trainer des 1. FC Köln

Niemand kann dem 1. FC Köln vorwerfen, dass er es nicht versuchen würde. Seit Jahren müht sich der FußballBundesligist ab, sein Image als Karnevalsverein loszuwerden. Solide und seriös möchten die Kölner sein statt labil und lustig. Dazu verpflichtete der 1. FC Köln zuletzt die nüchternsten Trainer der Branche. Zum Beispiel den akribischen Lorenz-Günter Köstner, den die Spieler irgendwann „Pater Leppich“ tauften, weil er wie der berühmte wortgewaltige Pfarrer gerne und lange predigte. Es folgte der mundfaule Bernd Schuster, der seine Mannschaft in der Halbzeitpause schon mal vor Wut alleine in der Kabine zurück ließ. Auch unter Ewald Lienen breitete sich nicht gerade Lebenslust aus, seinen Spielern verbot er gar die Teilnahme am Karneval. Und was hat es dem Eff-Zee genutzt? Zwei Abstiege und zwei Aufstiege zählt man seither. Auch mit dem aktuellen Trainer, dem nüchternen Herrn Funkel, droht seit dem katastrophalen 1:4 am Samstag gegen Werder Bremen der erneute Abstieg.

Die Fans aber haben genug von den langweiligen Trainern. „Funkel raus“, rufen sie und fordern – Christoph Daum! Dieser trainierte in den Achtzigerjahren den 1.FC Köln. Es war die erfolgreichste Zeit der jüngeren Vergangenheit. Es war freilich auch die Zeit, als Sportdirektor Udo Lattek ständig in einem blauen Glücks-Pullover auf der Tribüne saß, und die Boulevardzeitung „Express“ an fast jedem Wochenende einen Spruch von Lattek oder Daum in fetten Lettern druckte. Kurz gesagt, es herrschte Karneval am Geißbockheim. Doch das brachte dem Verein Schulden ein und, als Daum ging, großen Ärger. Sieht man von der Frage ab, ob Daum nach seinem Drogen-Bekenntnis für die Bundesliga überhaupt tragbar ist, muss der 1. FC Köln wissen, was er zurückholen würde: Große Sprüche, plakative Gesten, viel Lärm. Genau das, wovon sich der 1. FC Köln verabschieden wollte. Nun muss er sich erneut entscheiden, wie er sein will: Leise oder laut.

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