Sport : Letzter Ouzo in Lissabon

Marcel Reif

Die EM kommentiert von

Was wäre wohl einem Wetter widerfahren, der vor dem Turnier auf Griechenland als Finalteilnehmer gesetzt hätte? Man hätte ihm wohl geraten, das Ouzo-Trinken sein zu lassen und ihn ausgeschlossen aus dem Kreis der ernst zu nehmenden Zeitgenossen. Aber nun? Kann man Portugal als sichere Bank verbuchen? Im Prinzip ja, wenn da nicht dieser Einsatz, dieser Wille und die schier übermenschliche Leidensfähigkeit der Rehhagelschen Truppe wäre. Sie werden Luis Figo in Manndeckung nehmen, sie werden Ronaldo mit zwei Mann begrüßen und nicht mehr loslassen – dafür werden die anderen um so mehr laufen müssen. Und das werden sie tun.

Was die Griechen heute Abend anstellen werden, um all ihren Sensationen eine weitere folgen zu lassen, ist gewiss. Es wird sich am Ziel orientieren, nicht am Weg dorthin. Für die Ästhetik sind die anderen zuständig, nach den Franzosen und den Tschechen nun die Portugiesen. Mutlosigkeit, das hat diese EM gelehrt, wird bestraft. Wenn die Portugiesen es schaffen, ihre Disziplin in der Disziplin zu bewahren, und trotzdem bis zum Ende mutig, fröhlich und kombinationsfreudig spielen, kann es eigentlich nur einen Sieger geben. Andere Aufgaben hat Portugal nicht mehr zu lösen: Trainer Scolari, der Brasilianer, ist angekommen im kleinen Lande, er hat seinen Frieden gefunden mit den alternden Stars – das heißt, die müssen zuschauen bis auf Figo. Es ist alles geklärt, nur der letzte Punkt noch nicht: Griechenland ist schon Sieger dieses Turniers, Portugal muss es erst noch werden.

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