Sport : Leverkusen - FC Bayern: Der Meister schlägt zurück

Hartmut Scherzer

Der Spagat zwischen Champions League und Bundesliga scheint für Ottmar Hitzfeld und den FC Bayern München in der Endphase beider Wettbewerbe eine leichte Übung. Mit einem 1:0-Sieg in der 86. Minute durch ein Kopfballtor von Roque Santa Cruz über Bayer Leverkusen bleibt der Titelverteidiger weiter auf Titelkurs punktgleich mit dem FC Schalke. Berti Vogts hingegen ist auf dem schmalen Grat zwischen Auswandern aus Deutschland und Meister werden in Deutschland gestrauchelt. Für den ewigen Zweiten reicht es, so wie es zwei Spieltage vor Saisonschluss aussieht, nicht einmal zum zweiten Platz.

Die Bayern kompensierten die Kraftlosigkeit und Müdigkeit von Madrid mit dem Selbstbewusstsein und der Sicherheit des Siegers über Real. "So abgezockt sind wir", sagte Stefan Effenberg. "Ich habe in keiner Minute gezweifelt, dass wir hier gewinnen." Denn die Schlüssel zum Erfolg waren, wie schon in Madrid drei Tage zuvor, der Catenaccio und Kahn. Diese reine Defensivtaktik lässt zwar kein ansehnliches Fußballspiel zu, ist aber überaus effektiv. Daher konnte sich Ottmar Hitzfeld nach seinem 100. Bundesligaspiel als Chef des FC Bayern über einen "glücklichen Arbeitssieg" freuen, der "Pflicht für die Deutsche Meisterschaft" gewesen sei. "Jetzt bin ich überzeugt, dass wir Meister werden", sagte Hitzfeld.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Wer legt da schon großen Wert auf die Schönheit des Spitzenspiels, wenn einem noch die Champions League in den Knochen steckt? Die Kraft für ein ordentliches Spiel habe gefehlt, räumte Hitzfeld ein. Die Mannschaft ohne den verletzten Scholl und ohne den geschonten Elber vertraute auf die eigene Gefährlichkeit und die Nachlässigkeit des Gegners bei Standardsituationen. Die Lauermethode funktioniert. "Darauf haben wir gehofft", sagte Hitzfeld. Schon Samuel Kuffours Kopfball nach der zweiten Ecke (54.) an die Latte hätte die Führung bedeuten können. Ein Kopfball nach einer Ecke führte denn auch zum Siegtreffer durch Santa Cruz, der mehr die Schwäche Bayers als die Stärke Bayerns in derartigen Situationen offenbarte. "Normalerweise ist Kopfball nicht meine Stärke", bekannte der 19-Jährige aus Paraguay. Zumal er sich in dieser Szene gleich gegen drei Bayer-Spieler behauptete, deren Schwäche nicht gerade das Kopfballspiel ist: Nowotny, Ballack und Ramelow.

Die Leverkusener und vor allem ihr so glückloser Cheftrainer beklagten die "verschenkten Chancen". "Wir haben alles versucht", meinte Berti Vogts. Die wenigen Chancen, die die abermals von Patrik Andersson glänzend organisierte Abwehr zuließ, hätte Leverkusen nutzen müssen. Aber da gibt es diesen Teufelskerl im Münchner Tor, und selbst ein routinierter Torjäger wie Ulf Kirsten steht dann vor Oliver Kahn wie das Kaninchen vor der Schlange. Zweimal zu Beginn jeder Halbzeit hatte der Leverkusener Mittelstürmer allein vor dem Bayern-Keeper die Möglichkeit zur Führung auf dem Fuß. "Wir können uns wieder einmal bei Kahn bedanken", sagte Hitzfeld.

Auch mit halber Kraft im Angriff und im Mittelfeld, ohne Tempo und Temperament widerstand Bayern den redlichen Bemühungen Bayers. Jancker gewann kein Duell mit Bayers Bestem, Lucio. Effenberg musste sich nicht sonderlich anstrengen, weil der Spielmacher auf der Gegenseite, Michael Ballack, nach einem vielversprechenden Beginn geradezu ehrfürchtig vor der Hoheit des Münchner Kapitäns kapitulierte. "Er konnte nicht die entscheidenden Impulse geben", sagte Vogts, der Ballack die vielen Fehler nachsah. "Er war lange angeschlagen. Ich will ihn nicht kritisieren." In der Kritik aber bleibt nach der nunmehr neunten Bundesliga-Niederlage mehr denn je Berti Vogts. Dessen Zukunft trotz des bis 2003 laufenden Vertrages ist unterm Bayer-Kreuz Tabuthema. "Bis zum 19. Mai gibt es keine Trainerdiskussion", verkündete Manager Reiner Calmund. "Das ist Konzept." Derzeit das einzige, das bei Bayer Leverkusen funktionert.

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