Sport : Leverkusens Trainer verliert den Glauben an die Ehre der Profis

Christoph Daum entdeckt bei den Fußball-Profis einen immer stärker werdenden Sittenverfall. Der Trainer von Bayer Leverkusen beklagte vor dem Champions-League-Spiel seiner Mannschaft bei Lazio Rom die ständig schlechter werdende Berufsauffassung der Bundesliga-Spieler: "Es ist zum größten Teil so, dass die Spieler von Niederlagen nicht betroffen sind. Viele Dinge, die früher wichtig genommen wurden, gehen sie heute einfach nichts mehr an." Diese Entwicklung habe er verstärkt seit dem Bosman-Urteil im Dezember 1995 festgestellt. "Es gibt laufend Vereinswechsel, die Söldner-Mentalität nimmt zu, die Identifikation mit dem jeweiligen Verein schwindet", sagte der 46-Jährige.

Seitdem er 1987 beim 1. FC Köln erstmals Cheftrainer eines Profi-Teams wurde, sieht er eine stetige Negativtendenz. Etwa vor zehn Jahren hätte die Problematik begonnen, dass Spieler ihre Arbeit nur halbherzig verrichteten. "Das läuft parallel zur gesellschaftlichen Entwicklung", meint Daum, dass die Profis mit ihrer "Ist-egal"- Haltung in einen allgemeinen Trend passen. Doch durch die größere Freiheit, die den Profis durch das Bosman-Urteil der Europäischen Union zugestanden wurde, wäre das Laissez faire bei den Fußballern noch angewachsen. "Jeder Profi hat jederzeit Aussichten, einen anderen Arbeitsplatz zu finden. Es wäre sehr schön, wenn ihnen manchmal noch etwas unter die Haut gehen würde", sagte Daum.

Auch in seinem Team könne er feststellen, dass der Verein Bayer Leverkusen für zahlreiche Akteure eine untergeordnete Rolle hinter egoistischen Interessen spiele. Bei Teilen der Mannschaft sei nach den drei Niederlagen in den vergangenen sechs Pflichtspielen keinerlei Verunsicherung festzustellen gewesen. Kürzlich hatte Daum nach einer Partie geklagt, wenn seine Spieler verlieren würden, "geht ihnen das am Arsch vorbei". Dafür spielt sich im Kopf etwas ab. "Die wissen doch, dass selbst 38-Jährige noch für einen Vertrag in den USA attraktiv sind", sagte Daum.

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