Sport : Liebe auf den zweiten Blick

Mohamed Zidan verzaubert den FSV Mainz 05 und sich selbst mit drei Toren gegen Cottbus

Hartmut Scherzer

Mainz - Es war einmal ein ballverliebter Dribbelstürmer, der einen schlechten Tag hatte. Im Spiel des FSV Mainz 05 gegen Energie Cottbus springt ihm ständig sein Lieblingsspielzeug vom Fuß. Dann vertändelt er den Ball – ein folgenschwerer Fehler. Der Ballverlust führt zum 1:1-Ausgleich der Lausitzer durch Sergiu Radu. Mohamed Zidan in seiner kindlichen Art hätte losheulen können. Später erzählt er, was ihm in Bremen, seiner letzten Spielstation, nach so einem Lapsus passiert wäre: „Ich wäre sofort ausgewechselt worden.“ Doch inzwischen spielt Zidan wieder in Mainz. Und deshalb fand das Märchen vom ballverliebten Dribbelstürmer an diesem Wochenende ein glückliches Ende.

Sein neuer alter Trainer, der kumpelhafte Jürgen Klopp, beobachtet von Anfang an besorgt den ungewohnten Spielfrust. „Mein kleiner Freund war wirklich nicht gut im Spiel“, erzählt Klopp später. Als Zidan dann den Cottbuser Ausgleich ermöglicht, sieht ihm Klopp „im Gesicht an, wie er zu leiden hat“. Der Trainer winkt den Unglücklichen an die Seitenlinie, nimmt ihn in die Arme, drückt ihn an die Brust und schickt ihn mit einem Klaps zurück aufs Spielfeld. Zidan braucht solche Streicheleinheiten. Nur eine Minute später sprintet er nach einem Pass Gerbers den Cottbusser Innenverteidigern davon, schießt das 2:1, spurtet zur Seitenlinie und hängt wie ein Klammeraffe an Klopps Brust. Der 25-Jährige ist fortan nicht mehr vom Ball zu trennen. Er verwandelt einen Foulelfmeter und trifft noch ein drittes Mal zum Endstand: 4:1. Mit zehn Punkten aus den vier Spielen der Rückrunde hat Mainz 05 nach Monaten endlich die Abstiegsplätze verlassen.

Zum Schluss war der kleine Zauberer so aufgedreht, „dass man ihm zwei Bälle hätte geben müssen“, amüsierte sich Manager Christian Heidel. Die 20 000 Besucher feierten ihren Liebling euphorisch. Der schwergewichtige Stadionsprecher Klaus Hafner hievte das Federgewicht auf die Schultern und trug es im Triumph durchs Bruchwegstadion.

Nach jedem seiner drei Tore klopfte sich Zidan an die Brust, dort wo das Herz unter dem Wappen für Mainz schlägt. Er ist nicht nur in den Ball verliebt, sondern auch in Mainz. Deshalb ist Zidan so glücklich, dass ihn Klopp, Heidel und der Präsident Harald Strutz nach einer halbjährigen Leidenszeit bei Werder Bremen für insgesamt 2,5 Millionen Euro zurückgeholt haben. Der Zauberer hatte einfach Heimweh. Nun darf er wieder zu Hause seine Kunst vorführen. Ein wahres Märchen.

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