Sport : Lieber Mittelmaß als insolvent

Christian Hönicke über den harten Wettbewerb in der Handball-Bundesliga

Christian Hönicke

Ob die Bundesliga tatsächlich die beste Handballliga der Welt ist, sei einmal dahingestellt – die härteste ist sie in jedem Fall. Der Gewinn des WM-Titels vor einem Jahr hat den deutschen Handball in den Mainstream katapultiert – mit allen Vor- und Nachteilen. Der Kampf um die besten Spieler und das große Geld ist längst zu einem ruinösen Ausscheidungsrennen geworden, wie es der deutsche Fußball Ende der neunziger Jahre erlebt hat. Handballklubs wie Kiel, Hamburg oder die Rhein-Neckar Löwen geben mit potenten Mäzenen im Hintergrund den Takt vor. Wer versucht, da mitzuhalten, läuft ganz schnell Gefahr zu überpowern.

Das muss nun auch TuSEM Essen erfahren. Der Traditionsklub muss zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren Insolvenz anmelden. Nach dem Zwangsabstieg in die Regionalliga 2005 wollte der ehemalige Europacupsieger mit aller Macht wieder ganz nach oben – zu schnell. Es steht zu befürchten, dass Essen mittelfristig nicht allein bleibt. Andere Bundesligisten, sei es in Nordhorn, Stralsund oder Magdeburg, plagen sich ebenfalls mit finanziellen Problemen herum.

Auch die Füchse Berlin spüren diesen Druck. Sie wollen nach oben, und bei der Verpflichtung des Nationaltorhüters Silvio Heinevetter gingen sie laut Manager Bob Hanning an die Schmerzgrenze. Doch Hanning beteuert immerhin, dass er nicht gewillt ist, darüber hinaus zu gehen. Er sei momentan sogar „stolz auf das Mittelmaß“. Tatsächlich muss es keine Schande sein, wenn die Füchse in zwei Jahren noch nicht im Europacup spielen. Hauptsache, sie spielen dann überhaupt noch in der Bundesliga.Seite 23

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