Liebesgrüße aus Sotschi (14) : Putin fährt E-Schlitten

Hier erzählt unser Olympia-Korrespondent Claus Vetter täglich Geschichten aus Sotschi. Inzwischen hat er sich vor Ort wunderbar eingelegt und Erfahrungen gesammelt, von denen er sich auch Vorteile in der Heimat verspricht.

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Der Zar und sein Reich. Wladimir Putin muss in Sotschi nicht Schlangestehen.
Der Zar und sein Reich. Wladimir Putin muss in Sotschi nicht Schlangestehen.Foto: Reuters

Neulich im Bus auf dem Weg zum Skispringen. Wir sind spät dran, und es wird später, weil unser Bus an der letzten Sicherheitsschranke überholt wird. Eine Kolonne von verspiegelten Limousinen drängelt sich vor. Die Prominenz hat Vorfahrt. Auch wenn es in diesem Fall wohl nur die aus der Sparte B war. Der Oberprominente hubschraubt meist durch die Berge von Krasnaja Poljana.

Neulich, beim alpinen Skifahren, sei Wladimir Putin kürzlich sogar mit einem Elektroschlitten den Hang hinaufgedüst, erzählten mir Kollegen. Und der Oberdrängler gibt den Ton vor: Wer Brite oder Berliner ist, der ist in Sotschi klar im Nachteil. Schlangen an der Bushaltestelle, Gondel oder im Supermarkt? Altmodisch, zu preußisch!

Ein Kollege aus dem Schwarzwald hat nach dem Skispringen altmodisch anstehend drei Busse verpasst und war um 3 Uhr noch nicht im Hotel. Sein Fehler, denn wer heim will, schlängelt sich vor, aber mit Technik und Taktik! Beim Vordrängeln gibt es in Sotschi Anhänger verschiedener Schulen. Klar, die Ellbogen-Raus-Fraktion, das Recht des Stärkeren, funktioniert oft.

Der stolze Zar von Sotschi
Wladimir Putin (r.) versäumt niemals die Gelegenheit, sich gut ins Bild setzen zu lassen. Dabei versteht sich Russlands Präsident offensichtlich sehr gut mit Fifa-Präsident Sepp Blatter (m.). Der deutsche IOC-Chef Thomas Bach wartet schon freudig auf seine eigene Umarmung.Weitere Bilder anzeigen
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06.02.2014 11:19Wladimir Putin (r.) versäumt niemals die Gelegenheit, sich gut ins Bild setzen zu lassen. Dabei versteht sich Russlands Präsident...

Die neue Schule ist aber filigraner: Man murmelt einen unverständlichen Satz, nutzt die um sich herum entstehende Aura der Wichtigkeit und die daraus resultierende Irritation der Mitwartenden und springt in den Bus. Die Ich-bin-wichtig-ich-muss-schnell-durch-Nummer funktioniert immer.

Als verstärkende Variante empfehlen sich ein paar Abzeichen auf der Jacke oder auch ein durch die Luft gewirbelter als wichtiges Dokument getarnter Zettel. Inzwischen habe ich da sehr viel gelernt. Ich freue mich schon jetzt darauf, wenn ich die Kollegen kommende Woche beim Schlangestehen in der Kantine überrumpeln werde.

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