Sport : Liebling Hansa

Hertha spielt besonders gern gegen Rostock, weil die Berliner meistens gewinnen – gestern siegten sie 1:0

André Görke

Rostock. Eigentlich hätte Stefan Beinlich in den nächsten Tagen eine Verabredung mit Dieter Hoeneß haben sollen. Nach dem Spiel bei Hansa Rostock, so hatte es geheißen, wolle sich der Mittelfeldspieler mit seinem Arbeitgeber Hertha BSC über die Verlängerung seines Vertrages unterhalten. „Das ist ja jetzt wohl hinfällig“, sagte Manager Hoeneß gestern. Beinlich wechselt nach dieser Saison zum Hamburger SV, und wenn er noch eine Bestätigung für seine Entscheidung benötigt haben sollte, so hat er sie gestern bekommen. Im Rostocker Ostseestadion, beim 1:0-Sieg seines aktuellen Klubs Hertha BSC gegen seinen ehemaligen Verein, den FC Hansa, saß Beinlich 53 Minuten nur auf der Ersatzbank, ehe er für den rotgefährdeten Josip Simunic eingewechselt wurde.

An Beinlichs Stelle führte Pal Dardai die Mannschaft als Kapitän aufs Feld, die vakante Position in der Anfangsformation nahm der erst 20 Jahre alte Alexander Madlung ein. Der junge Verteidiger war es auch, der nach anderthalb Minuten die erste Torchance für Hertha einleitete. Nach einem Freistoß Marcelinhos verlängerte Madlung in Hansas Strafraum den Ball mit dem Kopf, doch Andreas Schmidt traf von der Torauslinie nur die Latte.

Hertha begann das Spiel schwungvoll, so wie es Trainer Huub Stevens und Manager Hoeneß gefordert hatten. In den ersten zehn Minuten kamen die Berliner zu drei Ecken, und es schien, als hätte auch der Letzte begriffen, worum es geht: um die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb und finanzielle Planungssicherheit für den Verein. „Unsere Ziele bleiben der fünfte Platz und die Qualifikation für den Uefa-Cup“, sagte Stevens. „Über mehr reden wir nicht.“ Zumindest noch nicht. „Wenn wir nach den nächsten beiden Spielen noch immer in der gleichen Situation stecken, können wir über dieses Thema reden“, sagte Hoeneß. Drei Punkte liegt Hertha hinter Borussia Dortmund und Platz drei, der zur Qualifikation für die Champions League berechtigt.

Die Saison, die für den Berliner Bundesligisten so mühselig begonnen hat, verspricht also noch ein spannendes Ende zu nehmen. So ähnlich wie auch das Spiel gegen Hansa. Weil Hertha es versäumte, die Chancen konsequent zu nutzen, musste die Mannschaft bis zur letzten Sekunde der Nachspielzeit um den Erfolg zittern. „Das verfolgt uns schon länger“, sagte Hoeneß. In der ersten Halbzeit scheiterte Bart Goor mit einem Volley-Aufsetzer an Hansas Torhüter Schober, und Dardai traf aus 18 Metern mit einem abgefälschten Ball nur die Latte. „Wir hatten schon relativ gute Möglichkeiten für ein Auswärtsspiel“, sagte Hoeneß.

Vor allem für die zweite Hälfte traf die Aussage zu; Schober parierte einen Kopfball von Madlung (61.), Alex Alves köpfte nur eine Minute später völlig frei stehend am Tor vorbei. Dass Hertha nach dem Spiel über die vergebenen Chancen nicht allzu laut jammern musste, lag daran, dass Arne Friedrich kurz nach der Pause den Führungstreffer erzielt hatte. Der Nationalspieler verlängerte eine Flanke Marcelinhos mit dem Hinterkopf ins Tor. Für den Abwehrspieler war es der vierte Saisontreffer. „Wir haben das Tor gemacht“, sagte Trainer Stevens. „dann muss man zufrieden sein.“

Größere Zufriedenheit verhinderten die zum Teil dilettantisch vorgetragenen und vergebenen Kontermöglichkeiten. Fünf Minuten vor Schluss schien Stefan Beinlich genug zu haben von der allgemeinen Unentschlossenheit, entschieden trat er gegen den Ball – und traf die Latte. Seine beiden brasilianischen Kollegen Marcelinho und Luizao hatten sich zuvor umständlich den Ball im Rostocker Strafraum zugespielt. Es reichte auch so gegen Herthas Lieblingsgegner. Nur einmal, im ersten Spiel nach dem Aufstieg in die Bundesliga, hat Hertha gegen Hansa verloren. Das 1:0 gestern Nachmittag war der neunte Sieg im zwölften Spiel.

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