Sport : Lieblos, leblos, lustlos

Vizeweltmeister Frankreich unterliegt 0:2 gegen Mexiko und ist so gut wie ausgeschieden

Der Hieb ins Herz der Franzosen kam präzise und kühl. Die zweite Halbzeit zwischen Frankreich und Mexiko lief seit zwanzig Minuten ziemlich frei von Höhepunkten, da schnippelte Rafael Marquez einen Ball aus dem Mittelfeld genau in den Lauf von Javier Hernandez. Der mexikanische Angreifer war erst kurz zuvor eingewechselt worden, die Annahme war erst der dritte Ballkontakt des 22-Jährigen. Wie ein Routinier aber umkurvte Hernandez den französischen Torwart Hugo Lloris und schob den Ball ins Tor. Später erhöhte Cuauhtemoc Blanco per Elfmeter sogar noch auf den 2:0 (0:0)-Endstand, mit dem klar ist: Frankreich, der Vizeweltmeister, ist in der Vorrunde so gut wie gescheitert. Selbst ein hoher Sieg im letzten Spiel der Gruppe A gegen Südafrika würde nur dann reichen, wenn Mexiko und Uruguay sich nicht auf ein Unentschieden einigen könnten, wodurch beide Teams sicher das Achtelfinale erreichen würden.

Raymond Domenechs Amtszeit als Trainer Frankreichs ist nach der WM ohnehin beendet, zum Abschied schien der eigenwillige Coach gestern noch einmal die ganze Nation mit seinen verwunderlichen und wohl trotzigen Entscheidungen gegen sich aufbringen zu wollen. Domenech ließ sein Team erneut ohne Thierry Henry auflaufen. Beim müden Auftakt der Franzosen gegen Uruguay hatte der Stürmer nach seiner Einwechslung zumindest etwas couleur ins Spiel gebracht, weshalb alle Experten seinen Einsatz von Beginn an erwartet hatten. Henry durfte sich in der zweiten Halbzeit zwar warmmachen, musste das lieblose Spiel seiner Mannschaft aber bis zum Schluss von draußen ansehen.

Frankreich hatte es von Beginn an nicht verstanden, die kompakte mexikanische Mannschaft in Verlegenheit zu bringen. In der Mitte spielte statt Yoann Gourcuff der Münchner Franck Ribéry, der der Rolle als Spielmacher aber nie gerecht werden konnte. In der ersten Halbzeit kreierten die Franzosen nicht eine wirklich gefährliche Situation. Die Mexikaner dominierten die umkämpfte Partie, eindeutige Gelegenheiten hatten sie aber auch nicht viele: Carlos Vela kam gleich zu Beginn zur besten Chance, schoss aber aus zehn Metern über das Tor.

In der zweiten Halbzeit blieben die Mexikaner spielbestimmend – und wurden auch zielstrebiger. Nach zwanzig Minuten war es dann soweit, als Hernandez traf, der beim Pass von Marquez allerdings vielleicht einen Zentimeter im Abseits gestanden hatte. Dann foulte Eric Abidal im Strafraum Pablo Barrera, der 37-jährige Blanco schoss Mexiko mit seinem Elfmeter so gut wie ins Achtelfinale. Die Franzosen hatten in den verbleibenden gut zehn Minuten nichts mehr entgegen zu setzen. Es wirkte, als ob sie den Schlusspfiff mehr herbeisehnten als die in Führung liegenden Mexikaner.

Florent Malouda vom FC Chelsea schaute nach Abpfiff zu Boden: „Es ist eine Schande, so zu verlieren.“ Sein Kapitän Patrice Evra weinte stumm vor sich hin. Tsp

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