Sport : Lincoln

Wie Schalkes Rückkehrer das Spiel erlebte

Erik Eggers

Als der Schiedsrichter anpfeift und alle Spieler in Bewegung geraten, verweilt Lincoln noch einen Moment. Wie er da am Anstoßkreis den Blick und die Handflächen nach oben richtet, sieht es so aus, als hoffe er auf göttliche Eingebung. Und auf die nötige Beherrschung, um nicht jene Unsportlichkeit aus dem Ligapokalfinale zu wiederholen, als er Gegenspieler Hitzlsperger anspuckte und drei Spiele Sperre kassierte.

In Leverkusen bekommt der Brasilianer schon nach sieben Minuten die Gelegenheit zur Wiedergutmachung. Seinen gar nicht schlecht getretenen Elfmeter aber pariert Butt, danach schaut Lincoln erneut gen Himmel. Schon vorher hatte er, den Ball stets fordernd, als Zentrum des Schalker Spiel gewirkt. Der frühe Fehlschuss scheint den 26-Jährigen anzustacheln: Kurz nach dem Elfmeter umkurvt er im Mittelfeld drei Spieler und passt den Ball präzise zu Altintop, aber dessen Flanke kann Kuranyi nicht verwerten. Lincolns teils provozierende Spielweise bringt dann die Zuschauer gegen ihn auf. Zunächst lässt er sich nach einem harmlosen Foul von Castro theatralisch fallen. Dann versucht er erfolglos, einen Elfmeter zu schinden.

Nach dieser furiosen Rückkehr gönnt er sich schöpferische Pausen, aber er bleibt präsent, indem er jeden Standard ausführt. Einer genialen Idee entspringt der Steilpass auf Asamoah, doch dem springt der Ball vom Fuß. Einen präzisen Freistoß Lincolns kann Sand aus fünf Metern nicht im Tor unterbringen.

In der zweiten Halbzeit wird Lincoln wirksamer vom unerfahrenen Gegenspieler Simon Rolfes beschattet. Dennoch kommt Lincoln zu einer klaren Chance: Kuranyi hat ihn exakt bedient, doch Lincoln scheitert aus zwölf Metern an Torwart Butt. Als das Spiel danach hin und her wogt, taucht Lincoln paradoxerweise ziemlich ab. „Das ist nicht einfach gewesen nach der langen Pause“, erklärt Lincoln nach dem Abpfiff. Am meisten freue er sich, „dass ich ganz ruhig geblieben bin“, trotz einiger kniffliger Szenen mit seinen Gegenspielern. Natürlich sei es schade, dass er den Elfmeter nicht getroffen habe, aber den habe Butt „wirklich gut gehalten“. Insgesamt fiel das Fazit trotz der Punktverluste für Lincoln positiv aus: „Ich bin wieder da.“

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