Lindsey Vonn im Interview : „Nicht gut darin, geduldig zu sein“

Nach ihrer monatelangen Verletzungspause spricht Skistar Lindsey Vonn im Interview über ihre Ziele bis Olympia 2018, ihren schwer zu zähmenden Ehrgeiz und eine besondere Bitte an Freundin und Ex-Rivalin Maria Höfl-Riesch.

Mit ihren 59 Siegen fehlen Lindsey Vonn (29) nur noch drei zu Rekordhalterin Annemarie Moser-Pröll. Nach zwei Kreuzbandrissen im Jahr 2013 will sie entgegen ihrer ursprünglichen Planung nun bis zu den Winterspielen 2018 weiterfahren.
Mit ihren 59 Siegen fehlen Lindsey Vonn (29) nur noch drei zu Rekordhalterin Annemarie Moser-Pröll. Nach zwei Kreuzbandrissen im...Foto: dpa

Lindsey Vonn greift wieder an. Nach ihren zwei Kreuzbandrissen 2013 und einer monatelangen Zwangspause will die Amerikanerin im Dezember wieder um Siege im Ski-Weltcup mitfahren. In der vorigen Woche stand sie auf dem Rettenbachgletscher in Sölden erstmals seit Monaten wieder auf der Piste. Für ihr Fernziel Olympia 2018 muss sich Vonn nach ihren Kreuzbandrissen aber auch etwas schonen - und das fällt ihr schwer.

Frau Vonn, wie liefen die ersten Schwünge im Schnee?

Lindsey Vonn: Gut, besser als erwartet. Ich hatte keine Schmerzen, bin ein paar Tore gefahren. Ich mache gute Fortschritte, habe aber noch eine Menge Arbeit vor mir, bevor ich im Dezember mein erstes Rennen fahre.

Olympia-Gold 2018 und der Weltcup-Siegrekord sind Ihre Ziele - wäre es schlimm, wenn Sie zunächst noch nicht vorne mitfahren?

Lindsey Vonn: Sollte ich nicht mit tollen Resultaten starten, motiviert mich das nur noch mehr. Ich weiß, dass ich wieder schnell sein kann. Es geht nur darum, das richtige Material und das Selbstvertrauen zu finden. Das dauert vielleicht ein bisschen, vielleicht auch länger. Aber ich weiß, dass ich wieder zu diesem Punkt kommen kann. Ich habe vier Jahre Zeit; das ist lang genug, um zu 100 Prozent fit zu sein.

Wie schwer ist es für Sie als ehrgeizige Sportlerin, langsam mit dem Training anzufangen und nicht sofort wieder Rennen zu fahren?

Lindsey Vonn: Ich bin nicht gut darin, geduldig zu sein. Ich will die Sachen schnell machen, ich will nicht warten. Ich haben neun Monate gewartet, wieder Ski zu fahren. Jetzt noch ein, zwei Monate warten zu müssen, bis ich wieder Rennen fahren kann, ist schwierig, um es vorsichtig zu formulieren. Aber ich bin glücklich, dass die Reha endlich vorbei ist und ich wieder machen kann, was ich liebe.

Im Februar steigt in Ihrer Heimat Vail die WM. Können Sie sich vorstellen, mit Rücksicht auf 2018 auch da nicht alles zu riskieren?

Lindsey Vonn: Ich werde bei der WM schon 100 Prozent geben, denn ich will meinem Heimpublikum ja eine starke Leistung bieten. Ich hoffe auf eine Medaille, und wenn ich eine gewinne, wäre da fantastisch.

Wie sieht Ihre Saisonplanung beginnend in Lake Louise aus?

Lindsey Vonn: Ich fange mit Abfahrt und Super G an. Ich hoffe, dass ich gegen Weihnachten in den Riesenslalom einsteigen kann, aber das muss man sehen. Riesentorlauf und die Super-Kombination will ich noch fahren. Das hängt aber alles am Training und am Selbstvertrauen.

Ist die vergangene Saison in Ihrem Kopf schon abgehakt oder denken Sie noch oft: Das hätte mein Jahr sein können?

Lindsey Vonn: Ich denke schon noch oft daran, was hätte sein können. Aber zugleich sehe ich all die Dinge, die noch vor mir liegen. Ich versuche, mich auf die nächsten Ziele zu konzentrieren.

Denken Sie auch manchmal: Was habe ich mir nur dabei gedacht, bei Olympia mit gerissenem Kreuzband antreten zu wollen?

Lindsey Vonn: Nein, ich bereue das nicht. Ich habe alles versucht, um in Sotschi dabei zu sein. Das war mein größtes Ziel, dafür habe ich so lange so hart gearbeitet. Aber es hat dann eben nicht geklappt.

Was war schlimmer: Nicht an Wettkämpfen teilnehmen zu können oder nicht mehr tun zu können, was Sie lieben, also auf Ski stehen?

Lindsey Vonn: Beides war schlimm. Ein Teil von mir liebt es nicht nur, einfach auf dem Schnee zu stehen, sondern mich zu messen. Es ist also eine Kombination aus den beiden, ich habe beides sehr vermisst.

Was waren es für Gefühle, wieder eine Piste runterzufahren?

Lindsey Vonn: Ich habe zwar nicht geweint, aber ich war schon sehr aufgeregt. Ich hatte ein großes Grinsen auf dem Gesicht. Ich war einfach sehr, sehr glücklich.

Wann glauben Sie, wieder um Weltcupsiege mitfahren zu können?

Lindsey Vonn: Hoffentlich in Lake Louise. Ich will so viele Rennen gewinnen wie möglich. Mein Ziel im Starthaus ist immer zu gewinnen. Wie gesagt, ich tu mich schwer, geduldig zu sein. Es hängt alles am Training, aber Lake Louise ist ein guter Ort für mich, mit drei Rennen, wo ich hoffentlich auf dem Podium lande, oder sogar gewinne.

Im Vorjahr ist eine junge Generation bei den Frauen in den Fokus gefahren. Motiviert Sie das als ältere Sportlerin noch mehr?

Lindsey Vonn: Es ist schon eine andere Situation. Früher waren da Maria (Höfl-Riesch), Götschl, Dorfmeister, und jetzt ist eine ganz andere Generation da. Aber dennoch sind das immer noch meine Gegnerinnen. Ich glaube, ich bin viel erfahrener, und das spricht für mich. Aber ich muss einfach weiter schnell fahren, und hoffentlich reicht das.

Sie und Maria Höfl-Riesch sind fast gleich alt. Warum hat sie ihre aktive Sportlerkarriere beendet, während Sie noch weiterfahren?

Lindsey Vonn: Sie hat ja viel erreicht in ihrer Karriere und wollte jetzt einfach aufhören. Das geht jedem Athleten irgendwann so, jeder hat so eine Stimme in sich, und bei ihr war es jetzt einfach soweit. Sie hat viele Medaillen und Weltcups gewonnen und kann sehr stolz sein.

Stehen Sie beide in Kontakt?

Lindsey Vonn: Ja, und ich denke, sie wird mich bald besuchen. Das wird ein Spaß. Ich habe ihr gesagt, dass sie kommen muss, um mich bei ein paar Rennen anzufeuern. Ich werde sie nämlich im Weltcup vermissen.

Hat sie Ihnen schon von ihrem Leben nach der Karriere erzählt?

Lindsey Vonn: Es gefällt ihr sehr gut. Sie genießt das, ist entspannt und hat Spaß. Und das ist doch toll.

Ihr Freund Tiger Woods ist momentan auch angeschlagen. Was waren das für Wochen und Monate bei Ihnen beiden zu Hause?

Es war gut und schlecht. Einerseits war es schwierig, weil wir den Wettkampf lieben und vermisst haben. Andererseits trieben wir uns gegenseitig an. Wir hatten verschiedene Reha-Programme, waren aber zusammen im Gym, um uns zu motivieren. Wir waren ein gutes Team.

Wer passt denn auf Ihren Hund auf, wenn Sie auf Reisen sind?

Lindsey Vonn: Oh, ich bin schon traurig, dass ich meinen Hund nicht bei mir habe. Ich liebe ihn, aber mein Bruder passt auf ihn auf. (dpa)

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