LIU XIANG stürzt im Vorlauf : Ein Drama wiederholt sich

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Kurz vor dem Ziel humpelt Liu Xiang noch einmal auf die Laufbahn. Er geht zur letzten Hürde und küsst sie. Es ist ein Abschiedskuss, denn er wird ihr bei diesen Spielen in London nicht mehr begegnen. Die Zuschauer im voll besetzten Stratford Stadium klatschen freundlich, aber so richtig scheint es nicht zu den 80 000 Besuchern durchzudringen, was hier gerade im Vorlauf über 110 Meter Hürden passiert ist: Die Wiederholung eines Dramas. Liu Xiang, Volksheld in China als erster Leichtathletik-Olympiasieger seines Landes, ist wie schon vor vier Jahren in Peking in der ersten Runde ausgeschieden.

Als der Startschuss fällt, springt Liu Xiang aus dem Startblock. Aber schon die erste Hürde ist zu hoch für ihn. Liu Xiang prallt dagegen und stürzt. Er bleibt auf dem Boden sitzen und hält sich seinen Fuß, dann humpelt er auf dem anderen in die Katakomben, doch der Weg zurück ist im Ablauf der Organisatoren nicht vorgesehen und so hüpft Liu Xiang die ganze Bahn neben den Hürden Richtung Ziel, ehe er noch für einen melancholischen Moment an die letzte Hürde geht.

Aus dem Stadion wird er später im Rollstuhl geschoben und hinterlässt zum zweiten Mal Bestürzung. Vor vier Jahren in Peking war Liu Xiang als Gesicht der Spiele auserkoren. Denn er hatte 2004 in Athen die Goldmedaille in einer Disziplin gewonnen, in der sich sonst meist nur Nord- und Mittelamerikaner und Europäer messen, im Hürdensprint.

In seinem Vorlauf in Peking gab es einen Fehlstart, aber während seine Konkurrenten noch einmal zurück an den Start gingen, zerknüllte Liu Xiang seine Startnummer und ging von der Bahn. Sein Trainer Sun Haiping erzählte der Weltöffentlichkeit hinterher unter Tränen, dass Liu Xiangs Fußverletzung wieder aufgebrochen sei, die ihn schon seit mehreren Jahren belaste und mal besser und mal schlimmer werde. Es ist eine Verletzung der Achillessehne.

Liu Xiang kam nach Peking wieder auf die Beine. Sein Rücken machte ihm zwischendurch zu schaffen, aber sein Fuß ließ ihn wieder laufen. In diesem Jahr rannte er mit 12,97 Sekunden die zweitschnellste Zeit von allen. Als sich der 29-Jährige im Juli in Leverkusen auf Olympia vorbereitete, meldete sich jedoch auf einmal sein Fuß wieder. Ein Arzt sagte, er brauche sich keine Sorgen machen, doch sein Trainer machte sich sofort welche.

Als er ihm vor dem Start begegnete, da sei ihm noch nichts Ungewöhnliches aufgefallen, erzählt der US-Amerikaner Aries Merritt, mit 13,07 Sekunden der Vorlaufschnellste. „Er sah eigentlich okay aus. Was passiert ist, ist wirklich fürchterlich. Er gehört zu den besten Hürdensprintern, die es je gab. Ich wäre hier sehr gerne gegen ihn gelaufen.“ Friedhard Teuffel

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