• Löws Beobachter über Griechenland:: „Vorne funktionieren sie nicht als Team“

Löws Beobachter über Griechenland: : „Vorne funktionieren sie nicht als Team“

Frank Wormuth, Spielerbeobachter und Vertrauter von Bundestrainer Joachim Löw, sichtet die Gegner des deutschen Teams. Im Interview erklärt er, wie man die Griechen aushebelt – und die Spanier.

Auch gemeinsam stark? Griechenlands Costas Fortounis und Tehofanis Gekas (r.)
Auch gemeinsam stark? Griechenlands Costas Fortounis und Tehofanis Gekas (r.)Foto: dapd

Herr Wormuth, haben Sie schon mit Joachim Löw telefoniert?

Ja, gleich nach dem Dänemark-Spiel. Es war ein ruhiges Telefonat, nicht anders als sonst. Joachim Löw ist während eines Turnier positiv angespannt und völlig in sich ruhend. Wir haben uns ganz fußballbezogen unterhalten. Privates bleibt da außen vor.

Sie sind der Kenner und Beobachter der Gruppe A. Der Bundestrainer vertraut Ihrer Meinung. Wie oft haben Sie die Griechen live im Stadion gesichtet?

Ich habe nicht jedes Spiel der Griechen gesehen, denn ihr Weiterkommen ist mit Verlaub eine Überraschung. Unser Augenmerk war eigentlich auf andere Gegner gerichtet. Gegen Russland saß ich aber auf der Tribüne.

Mit welchen Erkenntnissen?

Die Griechen spielen unorthodox. Der Stil knüpft wieder an Otto Rehhagel an, ist effektiv statt attraktiv. Allein, der Erfolg gibt dem Team recht.

Effektiv statt attraktiv, das heißt: Griechenland mauerte sich ins Viertelfinale.

Griechenland agiert wie fast alle Teams im 4-2-3-1 und hält die Grundordnung offensiv wie defensiv. Die eigentlich üblichen Positionswechsel fallen aus, ergo mutet das System fast statisch an. Die Defensive zehrt von ihrer Kompaktheit und Zweikampfstärke. Das beste Beispiel liefert Kyriakos Papadopoulos von Schalke 04, der sehr stark am Mann ist. Aber weil er und seine Kollegen nicht immer nachrücken, steht sogar bei Ballverlust im eigenen Spielaufbau noch eine Viererkette gegen den Konter.

Wie ist es um die Offensive bestellt?

Vorne machen individuelle Aktionen den Unterschied. In diesem Bereich des Feldes funktionieren die Griechen nicht als Mannschaft, sondern allenfalls punktuell. Mal ein Zweikampf durch Gekas, dann wieder ein Dribbling von Samaras – im gemeinsamen Miteinander passiert nicht viel. Daran wird sich im Viertelfinale nichts ändern, zumal mit Karagounis die zentrale Figur gesperrt fehlt.

Wie sehr wird Karagounis fehlen?

Sein Verlust wiegt schwer, weil der ruhende Ball das größte Gefahrenpotenzial birgt. Aus dem Spiel heraus produziert Griechenland kaum Chancen. Damit ist auch das Fatale der Griechen beschrieben: Die Elf kann bis tief in die Nachspielzeit über eine Ecke zum Tor kommen, obgleich sie sonst gar nicht stattgefunden hat.

Wie sind die Griechen zu knacken?

Jede Mannschaft bekommt gegen schnellen Fußball im One-Touch-Modus Probleme. Nur erwischt man eben nicht immer so einen Tag, wo dieser Motor reibungslos läuft. Man sollte auch mal die Kirche im Dorf lassen und mit durchdachten, sich sukzessive aufbauenden Angriffen zufrieden sein. Ein Lars Bender hätte sein Tor als griechischer Nationalspieler so jedenfalls nicht schießen können, weil griechische Außenverteidiger gar nicht aufgerückt wären.

Frank Wormuth, 51, sichtet Deutschlands Gegner.
Frank Wormuth, 51, sichtet Deutschlands Gegner.Foto: dpa

Welche taktischen Entwicklungen hat die EM bis jetzt bestätigt?

Es fällt auf, dass selbst extrem defensive Mannschaften keine langen Bälle schlagen. Dänemark hat dieses Credo gegen Deutschland bis zur Vollendung vorgelebt. Obwohl Gomez, Özil oder Podolski früh pressten, zirkulierte das Leder durch die dänischen Reihen, teils gar im eigenen Strafraum. Das war spannend.

Die Spieleröffnung durch die Mitte zeichnete sich als neuer Trend ab.

Genau. Auch die Russen spielen nur so: steil, klatsch, steil, klatsch. Unterschiede in der Philosophie offenbaren sich dann erst weiter vorne. Derweil Deutschland seine Außenpositionen sehr gewissenhaft hält, rücken zum Beispiel Russland und Spanien sofort ein und verdichten die Angriffsbemühungen auf die Mitte.

Seit der EM 2008 überlegt Joachim Löw, wie man gegen Spanien schlagen kann. Wäre Italiens Dreierkette eine Variante?

Eine Dreierkette, die wahlweise zur Fünferkette wird, ist tatsächlich eine gute Lösung. Im 3-5-2 kann man gegen Iniesta und Xavi zentral Überzahl herstellen. Die Italiener haben das spanische Pressing ausgehebelt, auch weil sie ihr Spiel bei Ballbesitz schnell verlagert und vor das Tor von Iker Casillas gebracht haben.

Endet Ihr Job mit der Gruppenphase?
Ich werde in Warschau das Viertelfinale zwischen Tschechien und Portugal sichten und danach das Halbfinale in Donezk. Und im Finale sehe ich dann endlich die deutsche Elf wieder.

Das Gespräch führte Moritz Herrmann.

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