Sport : Lothar Matthäus: Leiser Abgang

Die Kisten sind alle gepackt. Wie viele genau, kann Lothar Matthäus nicht sagen. Es seien bestimmt mehr als beim Umzug hierher, entgegnet der einstige deutsche Fußballheld mit gequältem Lächeln. Er wirkt müde, ein wenig nervös. Die letzten Tage waren noch einmal stressig. Der sonst so dynamische Balltreiber scheint ausgebrannt, als hätte er soeben neunzig Minuten wie in seinen allerbesten Kickerjahren abgespult. Dabei gilt es nur Abschied zu nehmen. "Goodbye New York" - das Abenteuer Amerika ist nach 292 Tagen beendet. Gestern stieg Matthäus mit Lebensgefährtin Maren Müller-Wohlfahrt ins Flugzeug. Ihr Ziel war die neue, alte Heimatstadt München, wo beide nun leben wollen.

Als der Weltrekord-Nationalspieler am 11. März in Manhattan eintraf, um künftig für die MetroStars in der Major League Soccer (MLS) auf Torjagd zu gehen, empfingen ihn die - vor allem deutschen - Medien in Heerscharen. Tagelang verfolgten sie ihn auf Schritt und Tritt. Der Abgang hingegen verläuft ohne Aufsehen, still und leise. Die lokale Presse nahm seit Monaten keine Notiz mehr von dem früheren Weltfußballer.

Mannschaftskamerad Tom Dooley war zu Wochenbeginn würdevoll vom Verein in den Ruhestand geschickt worden. Über Matthäus gibt es bis heute weder von den MetroStars noch von der Liga eine offizielle Verlautbarung zur Beendigung seines Engagements. "Ich wäre gern noch geblieben. Doch die MLS hat kein Geld. Umsonst kann ich schließlich nicht spielen", sagt der Rekord-Verdiener der Liga, der für sein neunmonatiges Intermezzo eine Million Dollar kassierte. Lediglich 800 000 Dollar mehr stehen den MetroStars als Gehaltsetat in der neuen Saison für ihre 25 Lizenzspieler zur Verfügung. "Das verdienen in Deutschland schon Zweitligaspieler", sagt Matthäus. Am Mittwoch war er noch einmal für zwei Stunden in den Büroräumen des Clubs, um der Vereinsführung und einigen Mitspielern Servus zu sagen.

"Privat war New York eine unheimliche Bereicherung für mein Leben", resümiert der 39-jährige Franke. Privat möchte er auch so oft wie möglich an den Hudson River zurückkehren. Sportlich blieb mancher Wunsch offen. Dass der Spieler zwischen Abwehr und Mittelfeld mit der Trikotnummer zehn nicht ein Tor in seinen 22 Punkt- und zwei Pokalspielen erzielte, hinterlässt ebenso einen Wermutstropfen wie das Halbfinal-Aus in der Meisterschaft und im Pokalwettbewerb.

Doch noch viel mehr wurmt ihn, dass er mit seinen gut gemeinten Ideen und Vorschlägen für die dringend notwendige Reformierung der MLS keine Zuhörer gefunden hat. "Sie denken, sie schaffen es allein. Doch so, wie die Liga jetzt gemanagt wird, hat sie keine Perspektive", prophezeit Matthäus. Die MLS habe die Möglichkeiten, mit seiner Person zu werben, "überhaupt nicht ausgeschöpft. Ich hatte nicht einen PR-Termin", erzählt der Weltmeister von 1990. Er sei sich sicher, dass mit seinem Weggang das Interesse an der MLS im Ausland rapide zurückgehe. Einen Kontrakt als Fußballprofi wird er vermutlich nicht mehr unterschreiben. Die Verhandlungen mit Dubai für eine Verpflichtung im nächsten Frühjahr scheinen geplatzt zu sein. "Ich kann auf den Stress verzichten. Ich bin darauf eingestellt, dass meine Karriere definitiv zu Ende ist", sagt Matthäus und betont: "Eines kann mir keiner nachreden - dass ich zu früh aufgehört habe".

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