Sport : Lucky Luck

Der Routinier bereitet den Sieg der Biathlon-Staffel vor

Helen Ruwald

Oberhof. In Sibirien ist Frank Luck am Ende noch ein Missgeschick passiert. Bei der Biathlon-Weltmeisterschaft vor einem Jahr ließ der Schlussläufer der deutschen Staffel beim Nachladen eine Patrone fallen und konnte sie sekundenlang nicht greifen. Dennoch sicherte er Gold, es war das glückliche Ende einer mäßigen Saison. Diese Saison lief noch schlechter, Luck musste sogar um seine WM-Teilnahme bangen. Gestern feierte er bei seinem einzigen WM-Start mit der deutschen Staffel erneut einen Triumph, als Startläufer, ohne Panne. „Ich wollte den 25 000 Zuschauern etwas Besonderes bieten, ich glaube, das ist mir gelungen“, sagte Luck nach seinem elften WM-Titel. 90 Minuten nach dem Rennen war er noch „voller Adrenalin“ und hatte keinen Blick für die Statistik. Dabei ist er nun der erfolgreichste Biathlet aller Zeiten.

„Ich bin nicht nur zur WM gekommen, um Würste anzuschneiden“, hatte Luck bereits angekündigt. Zum 600. Geburtstag der Thüringer Bratwurst hatte er Anfang der Woche eines der Jubiläumsstücke angeschnitten. Gestern bewies er, dass er mehr kann. Und das nach Wochen, die an ihm gezehrt hatten. Zwei sechste Plätze vor Weihnachten waren Lucks beste Resultate in diesem Winter. Doch dann ging gar nichts mehr, in Antholz vor drei Wochen landete er auf den Plätzen 39 und 54 und trat zum Massenstart-Rennen nicht mehr an.

Luck setze sich zu sehr unter Druck, weil er besonders glanzvoll abtreten wolle, mutmaßte Bundestrainer Frank Ullrich. Dazu kam eine nicht vollständig auskurierte Magen-Darm-Infektion, die Luck schwächte. „Das eine oder andere Mal habe ich schon gedacht, Mensch, in Chanty Mansijsk bist du mit der Fahne als Weltmeister ins Ziel gelaufen, da hättest du aufhören können“, gibt er zu. Einen Einsatz im Einzelrennen über 20 Kilometer hatte er in Oberhof abgelehnt, weil er sich noch nicht fit genug fühlte. „Aber ich war glücklich, als der Trainer gefragt hat, ob die Staffel ein Thema für mich ist.“ Ausgerechnet in seinem Heimatort Oberhof nur Zuschauer zu sein, „das wäre bitter gewesen“.

Startläufer war Frank Luck auch bei seiner ersten WM-Teilnahme 1989 in Feistritz in Österreich. Mit der DDR-Staffel gewann er Gold. Damals war Michael Greis, der Schlussläufer von gestern, zwölf Jahre alt. Er sah Luck jahrelang im Fernsehen und träumte selbst von einem WM-Titel. Gestern war er „stolz auf uns, dass wir Frank sein Karriereende so vergoldet haben“. Beim Weltcupfinale in Oslo in März wird Luck sein letztes Weltcuprennen bestreiten. Dann ist Schluss, endgültig.

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