Sport : Ludwigshafen statt Wimbledon Deutsche Tennis-Damen enttäuschen in London

Benedikt Voigt

Berlin – Am Donnerstagnachmittag saß Barbara Rittner wieder auf der Tribüne, und ihre Laune hob sich allmählich. Was sie auf den Tennisplätzen um sich herum sah, stimmte sie positiv. „Es macht Spaß, den Mädchen zu vermitteln, dass sie eine Lücke schließen können“, sagte die deutsche Fed-Cup-Teamchefin, „es gibt Hoffnung.“ Spätestens bei diesem Satz war klar, dass Barbara Rittner nicht über Wimbledon sprach.

Die Fed-Cup-Teamchefin ist vorzeitig aus Wimbledon zu den deutschen Jugendmeisterschaften nach Ludwigshafen abgereist. Bei den All England Championships, dem wichtigsten Turnier der Tennissaison, gab es für sie bereits nach drei Tagen nichts mehr zu beobachten. Keine der vier deutschen Damen hatte es in die dritte Runde geschafft. Nur eine, Sabine Klaschka, gewann ein Match in der Hauptrunde und schied dann unglücklich gegen die an Nummer sechs gesetzte Russin Jelena Dementjewa 6:2, 3:6, 6:8 aus. „Sie ist die positive Überraschung“, sagt Barbara Rittner, „ihr Abschneiden kann für alle ein positives Beispiel sein.“ Ansonsten fällt Rittners Bilanz enttäuschend aus: „Dreimal in der ersten Runde ausgeschieden, ist nicht gerade toll.“

Julia Schruff spielte ebenso wie Marlene Weingärtner in Wimbledon nur ein einziges Einzel-Match. „Dabei ging Marlene nach eineinhalb Sätzen die Luft aus“, hat die Leverkusenerin Rittner beobachtet. Weingärtner hat gerade eine Rückenverletzung überwunden. Anna-Lena Grönefelds Erstrundenniederlage jedoch gegen die Nummer 232 der Welt, Jane O’Donoghue, enttäuschte sie noch mehr. „Sie braucht noch Zeit“, sagt Rittner. Bei den Australian Open und French Open ist die 20-jährige Grönefeld immerhin in die dritte Runde gekommen. „Ihre Entwicklung ist positiv“, sagt Rittner, warnt aber vor zu hohen Erwartungen. „Ich habe immer gesagt, dass sie keine ist, die in die ersten Zehn hochschießt.“ Immerhin eine gute Entwicklung für das deutsche Damentennis hat sie gesehen. „Die Kroatinnen waren auch nicht besser.“ Diese sind in Bol am 9. und 10. Juli Gegnerinnen ihres Fed-Cup-Teams.

Im Gegensatz zu Rittner hält sich Anna-Lena Grönefeld immer noch in Wimbledon auf. Sie spielt im Doppel mit der 48-jährigen Martina Navratilova. Eine gute Sache, findet Rittner, und rät ihr, sich manches abzugucken: Das Stellungsspiel, die Einstellung. Rittner sagt: „Wenn man von Martina Navratilova nichts lernen kann, von wem dann?“ Zumal keine deutsche Tennisspielerin gegenwärtig den Eindruck macht, als hätte sie ausgelernt.

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