Sport : Luis Figo

Wie der Portugiese das Spiel gegen Iran erlebte

Sven Goldmann

Ob Luis Figo genauso gut singen kann wie Fußball spielen? Wahrscheinlich nicht, aber er ist mit dem Herzen dabei, als die Portugiesen vor dem Spiel gegen Iran die Nationalhymne anstimmen. Ein paar Meter weiter steht Deco. Er ist der Einzige, der nicht mitsingt. Die beiden sind nicht die besten Freunde, seit Figo sich vor drei Jahren gegen die Einbürgerung des gebürtigen Brasilianers ausgesprochen hat, mit dem Argument, dass zur Vaterlandsliebe mehr gehöre als ein Reisepass.

Hat alles nichts geholfen. Figo ist der Mannschaftskapitän, aber der Chef auf dem Platz heißt Deco. Als der im ersten WM-Spiel gegen Angola verletzt fehlt, darf Figo noch einmal Regie führen, und er macht das so gut, dass ihn die Experten des Weltverbandes Fifa zum „Man of the Match“ wählen. Jetzt aber ist Deco wieder fit, und sein Rivale trollt sich auf den rechten Flügel. Den ersten Pass gibt er gleich auf Deco, aber der rutscht aus.

Figo bekommt viele Bälle und leitet die besten Chancen seiner Mannschaft ein. Carvalho und Ronaldo vergeben sie. Öfter mal tauscht er die Seite mit Cristiano Ronaldo, doch links wie rechts haben die Iraner wenig Respekt. Nach zwanzig Minuten tritt Nekounam ihn um und sieht dafür die Gelbe Karte, wenig später verirrt sich ein Ellenbogen in seinem Gesicht. Figo ist benommen, der Kiefer wird gekühlt, nach kurzer Behandlung kann er weiterspielen. „Figo, Figo“, rufen die portugiesischen Fans. Er wird bald 34 Jahre alt, ist nicht mehr so schnell wie in seiner Glanzzeit beim FC Barcelona. Als er dem kleinen Kaabi davonlaufen will, reicht sein Antritt nicht mehr aus. Figo läuft ihn über den Haufen.

Anders als im Abendspiel gegen Angola mag der Portugiese in der Frankfurter Nachmittagshitze keine weiten Wege mehr gehen, selten überquert er die Mittellinie in Richtung eigenes Tor. Mit jeder Minute werden seine Schritte schwerer, er legt längere Gehpausen ein, aber er ist eben Luis Figo und immer gut für einen besonderen Moment. Der erste ist ein Querpass auf Deco, ausgerechnet Deco, und der erzielt mit einem Gewaltschuss aus 20 Metern die erlösende Führung. Der zweite ein Dribbling im Strafraum, das der Iraner Golmohammadi auf Kosten eines Elfmeters stoppt. Cristiano Ronaldo verwandelt zum 2:0.

Zweieinhalb Minuten vor Schluss verlässt Luis Figo unter Ovationen der portugiesischen Fans den Rasen. Er hat, wieder einmal, ein großes Spiel gezeigt. Aber zum „Man of the Match“ wird dieses Mal Deco gewählt.

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