Sport : Lukas Podolski

Wie der Kölner Stürmer das Spiel in München erlebte

Daniel Pontzen

In dieser Woche dürfte Lukas Podolski also auch die Vokabel Markenbewertungsstudie kennen gelernt haben. In einer solchen wurde dieser Tage die Marke Lukas Podolski mit 16,3 Millionen Euro bewertet, womit der Kölner trotz sehr mäßiger Saison weltweit Rang 19 einnimmt. Gestern nun musste Podolski, im Nebenberuf Fußballspieler, ausgerechnet gegen Bayern München antreten, jenen Verein also, der sich von ihm eine Wertsteigerung seiner eigenen Marke verspricht, möglichst schon ab diesem Sommer.

Wie also würde Podolski auftreten? Von Beginn an ist ihm anzumerken, dass er nicht nur die Spielführerbinde trägt, sondern dass er sich auch als Kölner Chef versteht. Er stapft breitbeinig auf den Platz, wie ein Boxer, der schon auf dem Weg zum Ring demonstriert: Mit mir ist heute nicht zu spaßen. Nach vier Minuten bekommt Köln einen Freistoß auf der rechten Seite, rund 30 Meter Torentfernung. Podolski schreitet zum Schiedsrichter, fordert den Ball. Sein Freistoß segelt gefährlich Richtung Münchener Tor, doch seine Mitspieler verpassen.

Podolski ist bemüht, am eigenen Strafraum gewinnt er ein Kopfballduell, und immer wieder pendelt er zwischen Sturmspitze und Mittelfeld. In der 12. Minute läuft er steil Richtung linkes Strafraumeck, nimmt den Ball im Lauf mit und flankt ihn Richtung zweiten Pfosten. Scherz und Feulner besorgen den Rest, Köln führt.

Nur zwei Minuten später eine ähnliche Situation, wieder nimmt Podolski den Ball am linken Strafraumeck an, umkurvt Kahn in vollem Lauf, diesmal legt er den Ball flach zurück. Als Philipp Lahm per Glanzparade die Chance entschärft, toben die Kölner im Rudel Richtung Linienrichter. Auch Podolski ist erbost. Als sich die Lage beruhigt hat, zieht er sich das Trikot bis unter die Achseln – einen Moment lang brodelt es in Podolski. Statt des 0:2 fällt wenig später das 1:1, Podolski zupft trotzig an seiner Binde. Er spornt seine Mitspieler an, es wirkt nicht wie bloße Pflichterfüllung.

An der erneuten Kölner Führung hat Podolski keinen Anteil, stattdessen tritt er kurz danach gegen Michael Ballack in Erscheinung. Als die Bayern einen Freistoß zugesprochen bekommen, spitzelt Podolski den Ball weg, woraufhin Ballack ihn schubst. Man kann sich so was nicht gefallen lassen, nicht als Kapitän, also schubst er zurück. Ballack hebt schwungvoll ab, seltsamerweise bekommt nur Podolski die Gelbe Karte.

Nach dem 2:2 trägt Podolski den Ball im Laufschritt zum Mittelpunkt, als wolle er wieder sagen, „auf Jungs, wir können hier noch gewinnen“. Kurz nach der Pause hätte er beinahe seinen Teil dazu beigetragen – doch stattdessen wurde die Szene zum traurigen Exempel von Podolskis bisheriger Saison: Sturmpartner Scherz köpft ihm den Ball zentimetergenau in den Lauf, er sprintet auf das Tor zu. Letztes Jahr hätte Podolski den Ball vermutlich noch mit verbundenen Augen über den Torwart ins Netz gelupft. Und diesmal? Podolski kommt nicht mal zum Abschluss, er verstolpert den Ball. Hat er zu lange nachgedacht? Früher hat er nicht nachgedacht, das war seine große Stärke.

Danach ist Podolski weiterhin bemüht. Echte Gefahr aber geht nicht mehr von ihm aus. Einmal noch gerät er mit Ballack aneinander, es sieht so aus, als würden sie jeden Moment eine Prügelei beginnen. Doch nach dem Spiel klatschen sie sich ab, als wäre nichts gewesen. „Das gehört dazu“, sagt Podolski nachher. Der Marke wird es jedenfalls nicht geschadet haben.

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