Sport : Lust auf La Coruña

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Benedikt Voigt über den Abschied des internationalen Fußballs aus Italien

Am Mittwoch hat sich der internationale Fußball aus Italien verabschiedet. Ciao, hat er nach Inter Mailands Ausscheiden im UefaCup gesagt, mir reicht’s. Bin lange genug hier gewesen, habe im letzten Jahr im Champions-League-Finale nur italienische Vereine gesehen. Jetzt habe ich Lust auf etwas Neues: auf Monaco, auf Marseille oder auf La Coruña. Auch in London wird seit längerem guter Fußball gespielt, momentan ist der Stadtteil Chelsea sehr interessant. Dort haben sie Geld und Erfolg. Was sich über Italiens Vereine nicht sagen lässt. Woanders herrscht auch mehr Leidenschaft auf dem Platz. Wenn La Coruña in der Champions League nach dem Hinspiel 1:4 gegen den AC Mailand zurückliegt, laufen die Spieler der Spanier so lange, bis sie das Rückspiel 4:0 gewonnen haben. In Italien hingegen wendet sich einiges zum Schlechten.

Da ist das Nationalteam, das bei der WM im Achtelfinale ausscheidet und die Schuld allein beim Schiedsrichter sucht. Da sind die so genannten Fans, denen es gelingt, das römische Derby vorzeitig zu beenden, weil sie ein böses Gerücht auf den Rängen verbreiten. Und da sind die Klubs, die teilweise so verschuldet sind, dass es der gesetzgeberischen Hilfe des Klubbesitzers und Ministerpräsidenten Berlusconi bedarf, um sie vor dem Ruin zu bewahren. Das alles will sich der internationale Fußball offenbar nicht mehr antun. Und jetzt kündigt auch noch seine alte Freundin, die Formel 1, an, dass sie überlege, den Grand-Prix-Kurs in Imola in Zukunft auszulassen. Arrivederci Italia, das scheint ein Trend zu werden.

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