• „Man muss sich irrsinnig überwinden“ Streif-Legende Fritz Strobl über die Tücken der Piste

Sport : „Man muss sich irrsinnig überwinden“ Streif-Legende Fritz Strobl über die Tücken der Piste

Herr Strobl, was war Ihr schlimmster Moment auf der Streif?

Der schlimmste Moment war sicher, als ich zum ersten Mal aus dem Starthaus geblickt habe. Das war 1991.

Und als Sie dann starten mussten?

Das Herz hat bis zum Hals geschlagen, aber man ist ja jung und gut vorbereitet, man fürchtet sich vor nichts.

Hatten Sie auch „Gefühle von Todesangst“ wie Ihr Landsmann Stephan Eberharter bei seiner ersten Streif-Abfahrt?

Naja, Todesangst ist vielleicht übertrieben. Aber in Kitzbühel hat man dreimal mehr Respekt als auf anderen Strecken.

Der Starthang hat ein Gefälle von 70 Prozent. Ist er schlimmer oder die Mausefalle, diese berüchtigte Kante?

Ach, da gibt es keinen Unterschied, der ganze obere Teil ist extrem schwierig. Starthang, Einfahrt zur Mausefalle, Mausefalle, Kompression in der Mausefalle, da gibt es nicht einen Moment zum Verschnaufen. Bis zur Steilhang-Ausfahrt geht’s da Ramba-Zamba.

Sie sind bei der Mausefalle mal 60 Meter weit gesprungen. Hatten Sie in der Luft Angst, dass Sie das nicht überstehen?

Nein. Klar sagt man später, da habe ich Glück gehabt oder da, aber dadurch, dass man sich immer am Limit bewegt, ist das für einen Fahrer fast schon Alltag.

Der Deutsche Max Rauffer hat mal einen Rennläufer beobachtet, der am Start wieder in die Gondel eingestiegen ist, weil er Angst hatte, die Piste runterzufahren.

Das muss jeder für sich selber entscheiden. Wenn ich einmal beschlossen hätte, dass ich nicht fahre, dann hätte ich immer wieder vor dieser Frage gestanden. Ich habe mir gesagt: Ich bin gut vorbereitet, ich kann das.

Einmal haben aber auch Sie nach einem Rennen auf der Streif erklärt: „Ich hatte vor dem Start die Hosen voll.“

Die Überwindung ist schon irrsinnig groß. Das kann man gar nicht so erklären, man muss mit eigenen Augen sehen, welche Geschwindigkeiten gefahren werden und wie die Piste aussieht. Und in diesem Jahr präsentiert sich die Streif wegen der Verhältnisse wieder als sehr schwierig.

Auch 2005 herrschten in Kitzbühel im Training extrem schlechte Bedingungen. Prompt stürzte der Österreicher Thomas Graggaber schwer. Warum wehren sich die Fahrer nicht gegen so ein Training?

Man hätte natürlich die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Aber man möchte auch ein bisschen etwas riskieren. Und man glaubt, dass man es schon irgendwie übersteht. Außerdem ist es schwierig, alle Läufer unter einen Hut zu bringen.

Wie viel Prozent fehlen noch, damit die Streif nicht mehr beherrschbar ist?

Da fehlt nicht viel. Da muss man den einen oder anderen Sprung anders bauen. Oder ein noch ein paar Schwierigkeiten einbauen, dann ist sie nicht mehr zu fahren. Aber die Pistenbauer sind ja Profis, die machen alles so, dass es gerade noch beherrschbar ist.

Die Veranstalter reizen die Piste bis zur Grenze aus?

Sicher reizen die das aus. Man könnte ja die Piste auch so anlegen, dass sie viel weniger schwierig ist. Aber die Veranstalter wollen, dass die Fahrer gefordert werden. Da wird mit der Präparierung natürlich bis an Limit gegangen.

Wird vorsätzlich mit der Gesundheit der Fahrer gespielt?

Vorsätzlich will ich nicht sagen, aber jeder Veranstalter will natürlich spektakuläre Rennen. Und Kitzbühel ist halt besonders schwierig und spektakulär.

Nach Ihrem Rücktritt 2007 sind Sie heute nur noch als Zuschauer in Kitzbühel. Reizt es Sie, noch mal runterzufahren?

Nur als Hobby-Skifahrer, nicht als Rennläufer. Ich war 17 Jahre im Weltcup, das reicht.

Das Gespräch führte Frank Bachner.

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