Sport : Man spricht Englisch

Im neuen T-Mobile-Radteam treffen Fahrer aus 14 Nationen zusammen - aber keine Stars

Hartmut Scherzer[Cala d’Or]

Das Motto symbolisiert schon sprachlich den deutsch-amerikanischen Optimismus: „Making of: Die Mannschaft“. Mit diesem Slogan präsentierte T-Mobile im „Teatro“ des Robinson Clubs auf Mallorca den Beginn seiner neuen Ära, seine 29 Radrennfahrer und elf Rennfahrerinnen. „Die Mannschaft“ – es scheinen neben „Guten Tag“ die einzigen deutschen Wörter zu sein, die dem neuen Generalmanager Bob Stapleton aus Kalifornien mühelos über die Lippen gehen. Ansonsten waren bei der sehr amerikanischen Vorstellungsshow überwiegend Schlagwörter zu hören wie: „team spirit, team work, great people, great job, great guys, young guns“. Englisch ist denn auch die offizielle Sprache in diesem internationalen Elite-Team aus 14 Nationen. Künftig fahren für T-Mobile nur noch elf deutsche Profis.

Im Jahr eins nach Jan Ullrich gibt es auch keinen Star mehr. „Wir formen unsere Stars selbst“, sagt Stapleton. Diese Aussage steht jedoch im Widerspruch zu den Verhandlungen, die er und sein Sportdirektor Rolf Aldag kürzlich in Murcia mit Alejandro Valverde geführt haben, die aber scheiterten, weil der spanische Spitzenfahrer nach der Vorlage der strikten Anti-Doping-Bedingungen bei T-Mobile – inklusive DNA-Test – kein Interesse mehr hatte. Bei T-Mobile geht man den Anti-Doping-Kampf ernsthafter an als in den vergangenen Jahren. Bleibt die Frage, wie erfolgreich die Maßnahmen sind.

Die Präsentation der neuen Mannschaft verfolgten auch die beiden mächtigsten Männer im Welt-Radsport: Christian Prudhomme, der Chef der Tour de France, und Pat McQuaid, der Präsident des Weltverbandes UCI, saßen in der Ehrenloge einträchtig nebeneinander.

Die Bosse redeten miteinander, waren aber nicht der gleichen Meinung über die Konsequenzen aus dem spanischen Dopingskandal „Operacion puerto“. Während es sich der Franzose vorbehält, Fahrer „auch mit großen Namen“ im Juli vor dem Tourstart auszuladen, ohne dabei Ivan Basso und Jan Ullrich namentlich zu nennen, schließt sich der Ire der Auffassung des IOC-Präsidenten Jacques Rogge an, wonach in einem Rechtsstaat die Unschuldsvermutung gelte und demnach Basso und Ullrich zunächst freie Fahrt hätten. Einige deutsche Fans sehen das wohl genauso. Eine allerdings kaum repräsentative Telefonabstimmung im „Aktuellen Sportstudio“ ergab ein klares Votum für eine Tour-Teilnahme Jan Ullrichs.

Mit einer neuen Philosophie alleine, mit neuen wissenschaftlichen Trainings- und Ernährungsmethoden, mit Sportpsychologen und Gymnastiklehrern, mit einem Programm, das Stapleton als „das beste weltweit“ bezeichnete, gewinnt man freilich kaum Rennen, wenn die Klassefahrer und Siegertypen fehlen. Der „Head of Sports Management“, Rolf Aldag also, fordert bescheiden: „Es reicht nicht, nur die Nummer von A nach B auf dem Rücken zu tragen, sympathische Abgehängte gibt es nur kurz.“ Nach seinen Eindrücken in den Trainingscamps auf Lanzerote und auf Mallorca sei er hoffnungsvoller als bei seinem Jobantritt vor einem halben Jahr. „Wenn wir nicht an Siege glauben würden, müssten wir den Laden dicht machen und die Rennräder verkaufen.“

Nur: Wer soll die Siege einfahren? Der Australier Michael Rogers, 27, dreimaliger Zeitfahrweltmeister, wurde zum Team Leader ernannt, hat den Tour-Sieg aber erst „in den nächsten drei, vier Jahren“ in Aussicht gestellt. Von den jungen Hoffnungsträgern sagte Linus Gerdemann, 24, zurückhaltend: „Ich gehe meinen Weg, mal sehen, wo er mich hinführt.“ Auch der U-23-Weltmeister Gerald Ciolek, 20, macht sich keinen Druck. „Wenn ich Mailand-San Remo durchfahre, ist das für mich schon ein Erfolg.“

Parallel zum Kampf um Siege führt T-Mobile seinen Kampf gegen Doping weiter. Aldag fordert „Überzeugungsarbeit“, aber „wir werden nun nicht Blaulicht an unsere Helme montieren und als Polizei durchs Peloton rasen.“

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