• Manager Funk will trotz der 2:5-Niederlage in Köln nichts von einem verkorksten Jahresauftakt wissen

Sport : Manager Funk will trotz der 2:5-Niederlage in Köln nichts von einem verkorksten Jahresauftakt wissen

Claus Vetter

Generalbevollmächtigter Müller kritisiert mangelnden Ansporn - "Es hat sich eine gewisse Wohlstandstruppe entwickelt"Claus Vetter

Wann werden in Hohenschönhausen die Feuerlöscher ausgepackt? Laut Lorenz Funk vorerst nicht: "Es brennt nicht." Von einem verkorksten Auftakt ins neue Jahr will der Manager der Berliner Eisbären nach dem 2:5 in Köln nämlich überhaupt nichts wissen. "Was heißt hier verkorkst? Das ist doch keine Krise, wenn du beim Tabellenführer verlierst. Da hast du nicht gewinnen müssen, vielleicht gewinnen können."

Den Konjunktiv beiseite gepackt und dafür auf die blanken Fakten geschaut: Fast zwei Drittel der Saison sind gelaufen, die Teilnahme an den Play-offs erscheint keineswegs sicher. Am Sonntag kassierten die Eisbären bereits ihre dritte Niederlage in Folge. In der Tabelle rangieren die Berliner inzwischen auf Platz acht, verfolgt von den Nürnberg Ice Tigers. Die Franken haben nur einen Punkt weniger als der EHC und noch ein Spiel mehr zu absolvieren. Die Bilanz gegen die sieben Mannschaften, die in der Tabelle vor den Eisbären rangieren, fällt aus Sicht der Berliner nicht freundlich aus. Von 16 Partien gegen die Teams aus der oberen Hälfte des Tableaus haben die Eisbären nur vier gewonnen. Gegen Köln, Mannheim und München standen die Berliner bislang immer auf verlorenem Posten.

Präsentierte sich in den letzten drei Jahren das eingespielte Ensemble der Eisbären quasi als Selbstläufer, so ist es längst mit der Herrlichkeit vorbei. Abgewanderte Stars wie Andrew McKim, Thomas Steen oder auch Pelle Svensson meinte man durch Akteure wie Peter Hammarström, Rob Murphy oder Guiseppe Busillo ersetzen zu können. Ein Irrtum: Hammarström und Murphy waren zunächst wochenlang verletzt. Als dann beide mit von der Partie waren, folgten zwar solide, aber keinesfalls berauschende Auftritte. Und inzwischen ist zumindest Rob Murphy längst im Eisbären-Mittelmaß versunken.

Nun wäre es wäre falsch, den augenblicklichen Misserfolg nur beim neuen Personal zu suchen. Zumal die Zugänge Thomas Schinko und Guiseppe Busillo mit Lorenz Funk in der vierten Sturmreihe eine solide Formation bilden, sich außerdem Verteidiger Nico Pyka als Verstärkung erwies und Alexander Godynyuk ab und an seine Fertigkeiten aufblitzen läßt. Doch das reicht alles nicht, weil dafür andere - sei es durch Verletzungspech (so etwa Verteidiger Derek Mayer) oder eine anhaltende Formkrise (zum Beispiel Verteidiger Rob Cowie) - nicht an ihre Leistungen aus der Vorsaison anknüpfen können oder wollen. Und dass man keine Angst haben muss, von den nicht gerade flinken Berlinern überlaufen zu werden, hat sich in der Liga längst herumgesprochen: 14 von 23 Akteuren sind 30 Jahre und älter, das Ensemble der Eisbären gehört zu den ältesten der Liga.

Dass man sich ernsthaft Gedanken um die Verfassung der Mannschaft machen muss, erscheint offensichtlich. Und der Generalbevollmächtigte der Eisbären, Martin Müller, ist in seiner Analyse schon ein wenig weiter als manch anderer beim EHC. "Es geht einigen Leuten bei uns wohl zu gut, denen fehlt der Ansporn. Es hat sich eine gewisse Wohlstandstruppe entwickelt." Da werde schon am Morgen auf die Uhr geschaut, wann das Training endlich zu Ende ist. Damit kein Missverständniss entstehe, nicht alle Spieler seien gemeint, sondern nur eine kleine Gruppe, sagt Müller. "Nur muss man die Angst haben, dass die irgendwann die anderen mit in die Tiefe ziehen. Doch bevor das passiert, wird der Hammer aus der Tasche geholt", verspricht der Generalbevollmächtige der Eisbären. Dann müsse man sich eben von denen trennen, die es an der nötigen Einstellung mangeln lassen.

Manager Lorenz Funk ist in seinen Aussagen übrigens etwas vorsichtiger. Auch wenn der Blick nach vorn angesichts des schrumpfenden Programms immer schwerer wird. "Jetzt geht es los", glaubt Lorenz Funk. "Jetzt", das ist Freitag gegen Schwenningen. "Die nächsten fünf Spiele sind wichtig für uns", meint der Manager, "wenn da etwas in die Hose geht, dann kannst du sagen, dass es brennt".

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