Marathon in Berlin : Sieg dank Hund

Andrea Eskau gewinnt das Handbiker-Rennen

Frank Bachner

Berlin - Andrea Eskau ist vor kurzem umgezogen, von Magdeburg nach Köln. Sie konnte zuletzt nicht voll trainieren, deshalb fuhr sie gestern bloß 1:18:40 Stunden. Sie war schon schneller, aber zum Sieg reichte es trotzdem. Andrea Eskau gewann das Handbiker-Rennen auch deshalb, weil die Weltklassefahrerin Monique van der Vorst aus Holland wegen eines Autounfalls fehlte. Andererseits hat Andrea Eskau im Sommer in Bordeaux zwei WM-Titel gewonnen, sie gehört auch mit reduziertem Training grundsätzlich zumindest zum Favoritenkreis.

Drei bis vier Stunden trainiert sie normalerweise am Tag, das ist schon sehr professionell. Und dann gibt es auch noch die Leute von der Sporthochschule Köln, die ihr bei der Trainingssteuerung helfen, und die Experten von der Technischen Universität München, die sich in Kürze um die Aerodynamik ihres Bikes kümmern werden und die optimale Länge ihrer Kurbeln ermitteln. Nur den Großteil der Kosten, den muss die Diplom-Psychologin selber tragen. Ein Spitzenbike kostet rund 8000 Euro, dazu kommen Reisen und Hotels. Und Sponsoren hat sie nicht.

Aber ungemeinen Ehrgeiz. Seit 1999, seit einem Fahrradunfall, ist die 36-Jährige querschnittsgelähmt. Rollstuhlbasketball gab sie bald wieder auf, zum Handbike kam sie über ihren Hund, der sie, wie ein Blindenhund, begleitete. Der wurde immer pummeliger, weil er neben dem Rollstuhl nur trabte. Also legte sich Andrea Eskau ein gebrauchtes Handbike zu, nun musste der Hund rennen. 2002 las sie in der Zeitung von einem Handbike-Marathon in Köln, meldete sich einfach mal an und wurde mit ihrem Durchschnittsgerät, das sie gerade seit drei Wochen hatte, gleich Dritte. Sie hatte ihren Sport entdeckt. Ihren nächsten Marathon, in Frankfurt, kurz darauf, fuhr sie schon mit einem neuen, teuren Bike. Sie gewann. Ein Jahr später rückte sie in die Nationalmannschaft, fuhr bei der EM und stieg rasant nach oben. Den Köln-Marathon hat sie schon viermal gewonnen. Und eigentlich, das gibt sie problemlos zu, war ihr der Erfolg bei der Weltmeisterschaft wichtiger als der Sieg in Berlin. Auf die WM hatte sie sich hochkonzentriert vorbereitet. Aus gutem Grund: In Bordeaux qualifizierte sie sich für die Paralympics 2008. Frank Bachner

0 Kommentare

Neuester Kommentar