Marathon : Mikitenko läuft nicht bei der WM

Die deutsche Langstreckenläuferin Irina Mikitenko verzichtet nach dem Tod ihres Vaters auf den Start im Marathon bei der Leichtathletik-WM in Berlin.

Friedhard Teuffel[Cottbus]
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So hätte sie jubeln sollen. Irina Mikitenko bei ihrem Sieg beim Berlin-Marathon im September 2008. Bei der WM in knapp zwei Wochen...dpa

Die Nachricht konnte keine gute sein, sonst hätte Jürgen Mallow nicht spontan zu einem Gespräch eingeladen. Der Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes war eigentlich zum Lausitzer Meeting nach Cottbus gereist, um die deutschen Athleten bei ihrem letzten Test vor den Weltmeisterschaften zu beobachten. Dann erreichte ihn ein Anruf, der jedes Ergebnis in Cottbus an den Rand rückte. „Irina Mikitenko wird nicht bei der WM starten“, sagte Mallow, „ihr Vater ist vor knapper Zeit gestorben, und sie hat es nicht geschafft, konzentriert zu trainieren. Wir sind sehr traurig.“

Seit ihrem Sieg beim London-Marathon im Frühjahr steht Mikitenko an der Spitze der Weltrangliste, im vergangenen Jahr hatte sie beim Berlin-Marathon einen neuen deutschen Rekord aufgestellt, in 2:19:19 Stunden. Das waren zwei Gründe, um die in Kasachstan geborene Läuferin als Medaillenkandidatin einzustufen. „Unser Team ist erheblich geschwächt“, sagte Mallow. Er hatte die 36-Jährige wohl fest dafür eingeplant, mit einem starken Rennen am letzten Tag der Weltmeisterschaften die deutsche Bilanz abzurunden. Der Marathon nimmt bei diesen Weltmeisterschaften ohnehin eine besondere Stellung ein, er wird erstmals vollständig in der Stadt ausgetragen und soll daher auch die Menschen für die Leichtathletik begeistern, die sich keine Karte fürs Stadion kaufen.

Mikitenkos Vater war vor etwa zwei Wochen gestorben. „Wer die Mikitenkos kennt, der weiß, das ist ein Familienbetrieb. Da ist sehr viel Emotion drin“, sagte Mallow. Jeder innerhalb der Familie nehme dem anderen Aufgaben ab. „Sie hat das sehr, sehr schwer getroffen. Jetzt schafft sie es einfach nicht mehr, sich auf ihr Rennen einzustellen“, sagt Mallow. Zuletzt hielt sich Irina Mikitenko in ihrem Höhentrainingslager in St. Moritz auf.

Schon im vergangenen Jahr hatte Mikitenko auf das größte Sportereignis verzichtet, auf die Olympischen Spiele in Peking. Fußprobleme hätten ihr zu schaffen gemacht. Dafür war sie beim Berlin-Marathon einen Monat später wieder fit. Den Berlin-Marathon hat sie ebenso zweimal hintereinander gewonnen wie den London-Marathon.

Für die WM galt Mikitenko zwar als deutsche Hoffnung, die Bedingungen hätten ihr jedoch nicht unbedingt sehr genehm sein müssen. Der Frauen-Marathon wird am Abschlusstag der Weltmeisterschaften um 11.15 Uhr gestartet. Das Feld könnte also je nach Wetterlage der prallen Mittagshitze ausgesetzt sein, Mikitenko war jedoch vor allem bei kühlerem Wetter schnell gelaufen, als Hitzeläuferin hatte sie sich bisher jedenfalls noch nicht gezeigt.

Für Mikitenko rückt nun Ulrike Maisch in die Mannschaft. Sie hatte 2006 in Göteborg den Europameistertitel gewonnen. Mikitenkos Ausfall ist auch nicht der einzige, den der Deutsche Leichtathletik-Verband am Samstag verkünden musste: Auch Thomas Goller, 400-Meter-Hürdenläufer aus Wattenscheid, kann nicht starten. Er musste beim Rennen in Cottbus vorzeitig wegen einer Verletzung aufgeben und hat sich einen Faserriss in der Wade zugezogen.

Unsicher ist zudem der Start des Leipziger Kugelstoßers Peter Sack, er leidet an einer Kapselverletzung in der Stoßhand. In Cottbus kam er auf 19,38 Meter, der Neubrandenburger Ralf Bartels gewann den Wettbewerb mit 20,42 Meter und setzte damit eine Serie von konstant guten Stößen fort.

Es sind vielleicht Leistungen wie seine, die Sportdirektor Mallow trotz Mikitenkos Ausfall sagen lassen: „Wir haben insgesamt bei der WM eine gute Ausgangsposition. 28 unserer Athleten sind unter den besten acht der Weltrangliste. Der Vorbereitungsstand ist in den meisten Fällen sehr gut.“

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