Marc-André ter Stegen : Als Torhüter zum FC Barcelona ohne Spielgarantie

Andoni Zubizarreta, seines Zeichens Sportdirektor des FC Barcelona, setzt auf Marc-André ter Stegen. Doch Trainer Luis Enrique will einen weiteren guten Torwart holen.

Wenn man nur die Zukunft schauen könnte. Marc-André ter Stegen.
Wenn man nur die Zukunft schauen könnte. Marc-André ter Stegen.Foto: AFP

Bei seinem Umzug ans Mittelmeer erwartet Marc-André ter Stegen auch ein Positionskampf. Der 22-jährige Mönchengladbacher soll zwar Medien zufolge vorerst die neue Nummer Eins im Tor des FC Barcelona werden.
Doch heftige Positionskämpfe seien im Jahr eins nach dem Ende der „Tiki-Taka-Ära“ auch zwischen den Pfosten zu erwarten, heißt es am Mittwoch unisono in Medien in Barcelona. Der neue Barça-Trainer Luis Enrique wolle drei mehr oder weniger gleichwertige Torhüter - darunter auch einen erfahreneren Keeper - im Kader haben.

Dem Nationaltorwart ist aber vor der Zukunft nicht bange. Mit gemischten Emotionen verlässt ter Stegen seinen Heimatklub Borussia Mönchengladbach aus anderen Gründen. „Ich habe 18 Jahre für diesen Verein gespielt. Auch wenn ich weiß, dass es nach der Sommerpause für mich und natürlich auch für Borussia weiter geht: Es ist ein komisches Gefühl, denn ich weiß schon jetzt, dass Borussia mir fehlen wird“, ließ Ter Stegen am Montagabend auf der Internetseite des Bundesligisten wissen. „Andererseits freue ich mich natürlich riesig auf meine neue Aufgabe“, betonte er.

Ter Stegen wird sicher nicht gern an die Erfahrung eines anderen zu Barça gewechselten deutschen Nationaltorhüters denken. Robert Enke erlebte 2002 bis 2004 in Katalonien einen Karriereknick, wurde zu Fenerbahce und CD Teneriffa ausgeliehen. Neben Enke trug bisher nur Bernd Schuster als einziger Deutscher in der Profi-Ära das blau-dunkelrote Trikot.

Sportdirektor Andoni Zubizarreta, ein früherer Nationaltorwart Spaniens, gilt als größter Fan des vierfachen deutschen Nationalspielers. „Er setzt blind auf ter Stegen als Stammtorwart“, schrieb am Dienstag „Mundo Deportivo“.

In Spaniens Medien ist ter Stegen nur eine Randnotiz

Als Star wird der „Supertorwart“ (Sepp Maier) in Barcelona aber sicher nicht empfangen werden. Die meisten Medien erwähnten nur am Rande die Verpflichtung des Deutschen, der von Bundestrainer Joachim Löw nicht für die WM in Brasilien nominiert wurde. Auf Seite eins der in Barcelona erscheinenden Fachblätter „Sport“ und „L'Esportiu“ wurde mit großen Bildern neben Luis Enrique Stürmer Gerard Deulofeu gefeiert. Der 20-Jährige kehrt nach einer Leihsaison beim FC Everton in die Heimat zurück. Und auch auf der Homepage von Barcelona spielte ter Stegen kaum eine Rolle.

Der Torhüter hatte seinen 2015 auslaufenden Vertrag bei der Borussia nicht verlängert und war Anfang Mai tränenreich von seinem Heimatklub verabschiedet worden. Laut den Mönchengladbachern unterschrieb der 1,89 Meter große Schlussmann einen Fünfjahresvertrag beim FC Barcelona.

Wie „Sport“ und andere Medien berichteten, will Barça nach dem Weggang des spanischen Nationaltorwarts Víctor Valdés und von dessen Ersatzmann José Manuel Pinto den Ter-Stegen-Konkurrenten aus folgender Gruppe von renommierten Torhütern aussuchen: José Reina (31/Liverpool), Willy Caballero (31/Málaga), Diego Alves (28/FC Valencia) und Keylor Navas (27/Levante). Zudem wolle der Belgier Thibaut Courtois (22) von Meister Atlético Madrid nach Ende seiner Leihzeit nicht zurück zu Chelsea, sondern zu den Katalanen, heißt es.

Deutsche Torhüter im Ausland
Tor zur Welt: Marc-André ter Stegen hat zum Saisonende 2013/14 seinen Heimatklub Borussia Mönchengladbach verlassen und beim FC Barcelona unterschrieben. Nur wenige Vertreter aus der selbsternannten "Torhüternation" Deutschland haben vor ihm den Sprung zu einem europäischen Spitzenklub gewagt. Die Reihe deutscher Torhüter, die ins Ausland wechselten, ist hingegen lang, wie unsere Bildergalerie zeigt.Weitere Bilder anzeigen
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24.05.2014 17:33Tor zur Welt: Marc-André ter Stegen hat zum Saisonende 2013/14 seinen Heimatklub Borussia Mönchengladbach verlassen und beim FC...

Die „Revolution“, der Aufbau des „neuen Barça“, wie in Spanien dieser Tage überall zu lesen ist, ist in vollem Gange. Die Abwehr und das Mittelfeld um die nach der sehr schwachen Saison bereits oft als „zu alt und zu langsam“ abgeschriebenen Dani Alves, Javier Mascherano, Xavi und Andrés Iniesta sollen völlig umgekrempelt werden.

Der Sturm scheint mit den Superstars Neymar und Lionel Messi zu stehen. Messi allerdings schließt nach der gescheiterten Liga-Titelverteidigung und angesichts Pfiffen der eigenen Fans und wachsender Kritik im Club einen Weggang erstmals nicht mehr aus.

„Wenn man mich nicht mehr mag, kann ich ja gehen“ schrieb er in einem sozialen Netzwerk. Kurz zuvor hatte er eine Vertragsverbesserung mit einer Erhöhung des Nettojahres-Salärs von 13 auf 20 Millionen Euro unterschrieben. Viele im Klub seien dafür, Messi für 200 Millionen zu verkaufen, versichert die Zeitung „Marca“. Außenverteidiger Jordi Alba meint: „Ich kann mir ein Barça ohne Messi nicht vorstellen“. (dpa)

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