Marcel Noebels : Rückkehr nach Pinguin City

In Krefeld ist Eishockey die absolute Nummer eins im Sport. Bei den Eisbären weiß das keiner besser als Marcel Noebels, der als einer der talentiertesten Spieler aus der Krefelder Jugend gilt. Das Noebels jetzt in Berlin spielt kam bei vielen Krefelder Fans schlecht an.

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Autogramme von Marcel Noebels sind beliebt bei den Fans - zumindest in Berlin.
Autogramme von Marcel Noebels sind beliebt bei den Fans - zumindest in Berlin.Foto: dpa

Ein paar Zuschauer in der Halle werden Marcel Noebels mit Sicherheit die Daumen drücken, wenn er mit den Eisbären am Freitag (19.30 Uhr) bei den Krefelder Pinguinen spielt. „Ich habe Karten für Freunde und Verwandte besorgt“, sagt der 22 Jahre alte Angreifer. Weit weniger Sympathien wird vermutlich die große Mehrheit der Krefelder Fans aufbringen, wenn Noebels zum ersten Mal in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen seinen Heimatklub antritt. „Sie werden wohl eher negativ reagieren“, sagt er, „aber ich bin selber gespannt.“

Lange waren alle in Krefeld stolz auf den Jungen aus der Nachbarstadt Tönisvorst gewesen. Manchen gilt er sogar nach Christian Ehrhoff, der seit gut elf Jahren in der National Hockey League (NHL) spielt, als talentiertester Eishockeyspieler, der dort je ausgebildet wurde. Noebels durchlief in Krefeld fast alle Kinder- und Jugendmannschaften, nach Stationen in Berlin und Mannheim bestritt er auch seine ersten DEL-Spiele für die Pinguine. Dann ging er für vier Jahre nach Nordamerika, um sich einen Platz in der NHL zu erkämpfen. Als absehbar war, dass das vorerst nicht klappen würde, wechselte er vor wenigen Tagen nach Berlin.

Es kam bei vielen Krefelder Fans schlecht an, dass der Nationalspieler seinen Heimatklub, bei dem er erst kürzlich wie in jedem Jahr am Sommertraining teilgenommen hatte, zugunsten eines Ligakonkurrenten verschmähte. „Manche verstehen nicht, warum ich mich so entschieden habe“, sagt er. Dass seine Wahl für einige Enttäuschung sorgte, kam aber nicht überraschend. Schließlich ist die Beziehung der Rheinländer zu ihren Eishockeyspielern besonders eng. „Krefeld ist eine Eishockeystadt“, sagt Noebels, „da gibt es ja nichts anderes.“ Außer dem KFC Uerdingen, fügt er hinzu. Aber der Fußballverein spielt nur noch in der viertklassigen Regionalliga. Daher identifiziert sich die 220 000-Einwohner-Stadt nun umso mehr mit ihrem Eishockeyklub, vor wichtigen Spielen werden schon mal die Hauptstraßen flächendeckend mit Vereinsfahnen der Pinguine geschmückt.

Doch nicht nur für die Fans, auch für Noebels selbst ist seine Rückkehr nach Krefeld eine ausgesprochen emotionale Angelegenheit. „Es ist ja meine Heimat“, sagt er, „ich freue mich riesig.“ Zum Spielbeginn werde er aber die Gefühle ausblenden. Dann gilt seine Konzentration den Eisbären. „Es wird ein schweres Spiel“, sagt Noebels. Er muss es wissen, schließlich stand er noch im August mit den morgigen Gegnern beim Training auf dem Eis. Sollte ihm allerdings ein Tor gelingen, werden seine Heimatgefühle wieder aufblitzen. „Ich werde nicht überschwänglich jubeln. Da muss ich auch Respekt zeigen“, sagt er.

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