Marcel Reif über den FC Bayern : Jürgen Klinsmann: Mit ihm zieht die neue Zeit

Hoeneß statt Rummenigge: Marcel Reif erklärt, was das Ende der kurzen Ära Klinsmann für den FC Bayern bedeutet.

Marcel Reif
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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Hat Jürgen Klinsmann irgendetwas falsch gemacht, etwas Böses im Schilde geführt? Natürlich nicht, er war guten Willens, als er beim FC Bayern anfing, er war voller Euphorie, Überzeugungskraft und Elan. Und die, die es eventuell hätten besser wissen können, müssen, die den Überblick darüber haben, dass eine Vereinsmannschaft eben nicht zu führen ist wie eine Nationalmannschaft, die haben sich blenden lassen. Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, auch Franz Beckenbauer haben sich mitreißen lassen, und wenn sie Zweifel gehabt haben sollten, so haben sie sie verdrängt, weil man der schönen neuen Welt doch auch mal eine Chance geben kann und soll und muss.

Und so haben sie Klinsmann gewähren lassen, haben ihn umkrempeln lassen, was umzukrempeln war, haben zu allem Ja und Amen gesagt, nur halt, guter Mann, eine Konstante, die bleibt unberührt: die Konstante Erfolg. Der hat sich einzustellen, nicht erst in zwei Jahren, nicht erst nach einem Umbruch, es gibt beim FC Bayern keine 100 Tage Schonfrist. Es gibt beim FC Bayern München keine Zeit, weil sie nicht da ist und weil zwischen Teil- oder Nichteilnahme an der Champions League Minimum 20 Millionen Euro liegen.

Und was ist geblieben vom guten Willen, der Euphorie, der Überzeugungskraft? Die Mannschaft hat keine Identität, sie hat kein Gesicht und ein Konzept ist auch nicht zu entdecken. Am vergangenen Samstag gegen Schalke 04 suchte sie ihr Heil in hohen Flanken auf Mittelstümer Luca Toni. Ein ums andere Mal, immer wieder, hohe Bälle auf Luca Toni, und, aha, das also ist die neue Zeit, die Jürgen Klinsmann versprochen hatte, das ist die neue, kreative Art, mit dem der FC Bayern durch Europa rauschen wollte. Für hohe Bälle als taktisches Konzept aber braucht es keinen Trainerstab, braucht es keinen Motivator, braucht es keinen Jürgen Klinsmann. Das Ende der Euphorie war gekommen.

Immerhin hält die Geschichte auch noch rührende Momente bereit. Denn rührend ist es, doch, dass sich Uli Hoeneß in seiner Not seines alten Freundes Jupp Heynckes erinnert. Der Jürgen Klinsmann, der war die Idee von Karl-Heinz Rummenigge, der ist kein alter Freund von Hoeneß. Im Gegenteil. Und dem kann er jetzt unter die Nase reiben: Pass, auf, jetzt machen wir es mal wieder, wie ich es sage, das wäre ohnehin besser gewesen.

Die schöne neue Welt, die Klinsmann installieren wollte beim FC Bayern München, sie ist gescheitert, abgeprallt mangels Erfolgsaussicht.

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