Marcel Reifs Kolumne : Hoffenheim gegen Dortmund - Kein Kampf der Kulturen

Es ist ein Spitzenspiel: Hoffenheim tritt heute gegen Dortmund an. Der Aufwand, den Jürgen Klopps junge Mannschaft betreibt, dürfte zu groß sein für eine ganze Saison, aber was soll’s. Es macht Spaß zuzusehen.

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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist. Foto: dpa
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Hoffenheim spielt heute gegen Dortmund – da war mal was. Da war vor zwei Jahren das Transparent, das Dortmunder Anhänger in die Höhe hielten und auf dem Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp im Fadenkreuz zu sehen war. Man hat sich seinerzeit schon auch denken dürfen, mit welchem Recht ausgerechnet Dortmunder Fans attackieren, wenn anderswo der Aufschwung mit viel Geld angetrieben wird. Dergleichen haben sie in Dortmund viele Jahre auch versucht und sich benommen, als sei im Himmel Jahrmarkt. Das hat sie nah an den Ruin gebracht, und vielleicht ist das der Grund, warum für Dortmunds Vorstandschef Hans-Joachim Watzke, der die Auferstehung aus den Ruinen bewerkstelligen musste, das Hoffenheimer Modell immer noch als rotes Tuch erscheinen will.

Aber eigentlich besteht kein Grund für Neid. Ein Kampf der Kulturen ist das Spiel heute nicht. In Hoffenheim wird das Geld inzwischen auch eher homöopathisch dosiert ausgegeben, sie haben dort endlich auch mehr Spieler als Entourage und sind angekommen in der Wirklichkeit. Ein Spitzenspiel ist es – mit Vorteil für die Borussia. Ich glaube zwar weiterhin, dass der Aufwand, den die junge Mannschaft betreibt, zu groß ist für eine ganze Saison, aber was soll’s. Wahrscheinlich können sie nicht anders, wahrscheinlich wollen sie laufen wie junge Hunde, laufen, laufen, laufen. Und wenn’s doch Spaß macht? Den hatte Trainer Klopp versprochen, und dieses Versprechen halten er und sein Team. Zur Freude der Fans, zur Freude der Liga und zum Ärger des FC Bayern.

Der wiederum, so heißt es, ist an Sahin interessiert, was man allseits negiert. Noch. Mag sein, dass Sahin nichts davon weiß, aber wären die Bayern nicht interessiert, dann hätten sie ihren Sachverstand abgegeben. Jedenfalls belegt dieser wunderbare Sahin, dass die Borussia wieder wer ist in der Liga. Woran auch das heutige Ergebnis nichts ändern wird. Geändert hat sich nur die Sichtweise auf den Gegner: Aus Parvenüs sind Konkurrenten geworden. Von den Bayern sprechen wir im Zusammenhang der Konkurrenz vielleicht später mal wieder.

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