Marcel Reifs Kolumne : Leverkusen verliert - aber schön

Es liegt nicht am fehlenden Willen, nicht an alter Launenhaftigkeit. Wenn Bayer verliert wie jetzt in Bielefeld, dann ist neue Jugendlichkeit schuld. Schlimm ist das nicht, meint Marcel Reif.

Marcel Reif
Marcel Reif Foto: dpa
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Schwergetan haben sie sich in Bielefeld, auf der vom Schnee geräumten einstmaligen Alm. Verloren haben sie sogar beim Tabellenvorletzten. Und das nicht nur, weil in ihren Reihen der ein oder andere Brasilianer steht, der erstmals persönlichen Kontakt mit der Materie hatte, die man in Brasilien nicht kennt, die anfangs weiß, dann schmutzig ist und immer nass und kalt. Ja nun, hat sich Bayer Leverkusen halt schwergetan, aber das lag an einer kämpferischen Arminia, an einem Artur Wichniarek, der in der Provinz zum regionalen Fürsten aufsteigt. Aber es lag nicht am fehlenden Willen der Leverkusener, an der Launenhaftigkeit der vergangenen Jahre. Das war doch immer das Spezifikum des Klubs, dass sie dort wunderbare Spieler engagiert hatten, die viel konnten, wenn sie wollten, und dann ab und an mal nicht wollten, aus irgendeinem Grund nicht wollten, und aus irgendeinem Grund war es doch auch egal.

Die satten Gehälter gab es trotzdem, ohne einer Berufsgruppe zu nahe treten zu wollen, in gewisser Weise glich der Bayer-Profi über viele Jahre einem unkündbaren, pensionsberechtigten Angestellten des Konzerns. Das hat Legionen von Trainern verschlissen, viele zweite Plätze eingebracht, man nannte Bayer Leverkusen in diesen Zeiten den Pillenklub.

Nun nennen sie sich selber Werksmannschaft, nicht weil sie Fußball arbeiten, vielleicht, weil es Identifikation stiftet. Nun haben sie eine junge Mannschaft, einen jungen Trainer, und reicht Jugendlichkeit? Natürlich nicht. Aber es ist eine, nennen wir es: unschuldige Mannschaft, sie hat einen unverbrauchten Trainer, einen, der unbekümmerte Vorstellungen vom Fußball hat, der sie umsetzt und die in die gleiche Schublade passen, in der Bruno Labbadia saß, als man ihn zu seiner aktiven Zeit Volkstribruno nannte. Auf jeden Fall macht es gute Laune, Bayer zuzuschauen, selbst wenn sie mal verlieren. Der Aggregatzustand hat sich verändert. Die Mentalität der Vergangenheit, die dem Klischee vom Beamten entsprach, kann man die ausmachen bei einem Kießling, einem Helmes, einem Adler? Nicht ernsthaft, und deshalb wird die Jugendlichkeit wahrscheinlich noch dem großen Wurf entgegenstehen, aber nicht der Freude an und mit Bayer Leverkusen.

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