Marcel Reifs Kolumne : Magath kann Magath nicht bezwingen

Wolfsburg gegen Schalke – das war auch Magath gegen Magath: der alte, reiche und erfolgreiche gegen den neuen, reichen aber glücklosen. Verloren hat keiner von beiden. Gewonnen aber auch nicht, was die Fragen in den Vereinen nicht weniger werden lässt.

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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

75 Millionen Euro haben beide Klubs vor dieser Saison investiert. Man kann also schon von einem Gipfeltreffen sprechen, wenn sich der VfL Wolfsburg mit Schalke 04 misst, zumindest von einem Finanzgipfeltreffen. Aber sonst? Wolfsburg ist nicht Schalke, Schalke nicht Wolfsburg, aber Magath ist Magath. Und der hat aus der gestrigen Startformation der Wolfsburger gleich neun Spieler engagiert, es war also gestern ein wenig auch das Spiel des Felix Magath gegen Felix Magath, des Felix alt, reich und erfolgreich gegen den neuen Felix, reich und ohne Fortune. Oder nimmt jemand an, dass Magath auf Schalke plötzlich seinen Job verlernt hat und ihn nicht mehr kann? Wohl kaum.

Dass er ein großer Trainer ist, hat er in der Vorsaison auf Schalke bewiesen und in der davor eben in Wolfsburg. Auf Rosen gebettet war er da und ist trotzdem gegangen, wohl weil er wusste, dass man eine Zitrone nur einmal ausquetschen kann. Jetzt ist er in Gelsenkirchen auch auf Rosen gebettet, durfte einkaufen, als gäbe es kein Morgen, alles wie einst in Wolfsburg. Und doch anders, vielleicht weil sein nüchternes Prinzip des Heuerns und Feuerns in einem kalkulierenden Konzern weniger dramatisch gesehen wird als in einem Verein, der die Seele in der Satzung verankert hat. Hoffentlich wird er sich, auch nach dem gestrigen Spiel bei seinem alten Arbeitgeber, bald nicht fragen lassen müssen, ob ihm bei seinen Einkäufen wirklich bewusst war, dass die Bundesliga kein Austragsstüberl und keine Operettenliga für alternde Stars ist.

Auf der anderen Seite fragt aber inzwischen auch der Geldgeber, ob Investition und Ertrag nicht doch ein wenig mehr in Einklang zu bringen sind. Und wenn VW fragt, dann wird es ein wenig ungemütlich für Manager Dieter Hoeneß und Trainer Steve McClaren. Sie haben sich von Zvjezdan Misimovic getrennt, den sie als weniger attraktiv empfunden haben als Diego. Der war aber bis gestern eine einzige Enttäuschung. Sie haben Edin Dzeko, der weg wollte, mit aller Macht gehalten, unter anderem mit dem personaltechnisch erstaunlichen Experiment, ihn zum Kapitän hochzuloben. Aber nun war ja gestern aus Wolfsburger Sicht fast alles gut. Dzeko traf wieder einmal, Diego lenkte wieder einmal, und Schalke mühte sich – wieder einmal lange vergeblich. Allerdings nicht lange genug für einen Sieg. Und weil das so war, werden die Fragen nicht weniger werden. Auf beiden Seiten nicht.

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