Marcel Reifs Kolumne : Ratlose Stuttgarter

Der VfB Stuttgart weiß immer noch nicht, was er machen soll. Die Bundesliga kommentiert von Marcel Reif.

Marcel Reif
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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Und dann kommt auch noch der VfL Bochum. Hätten die Stuttgarter den VfL mit fünf Toren aus dem heimischen Stadion gejagt, hätte dann irgendjemand aufgeatmet, hätte irgendjemand frohlockt, dass der turning point geschafft sei und es nun nur noch aufwärts gehe? Wohl nicht, weil man, wenn man der VfB ist und ein Selbstverständnis hat, den VfL Bochum selbstverständlich auch mal mit fünf Toren aus dem Stadion jagen sollte. Aber es ist eben nichts mehr wie es mal war beim VfB. Er kommt einfach nicht auf die Füße. Weil er immer noch nicht weiß, auch nicht auf Platz 16, was er muss und soll.

Man ist weiterhin gewillt, im ersten Impuls Bravo! zu rufen, weil die Stuttgarter die üblichen Gesetzmäßigkeiten außer Kraft setzen und weiter an Trainer Babbel festhalten. Aber, das ist dann der zweite Gedanke, wie lange soll es noch dauern, bis sie spüren, dass so eine Treue im Fußball auch mal kontraproduktiv sein kann?

Sie haben gut eingekauft vor der Saison, ich bleibe dabei, vom individuellen Können her müsste der VfB am anderen Ende der Tabelle stehen. Er tut es nicht. Er hat gerade mal in Glasgow wenigstens, wie es so heißt, sein Potential abgerufen. Aber gegen den VfL schon wieder nicht. Und ist nicht das Auftreten einer Mannschaft Sache des Trainers? Der hat, wie es auch so heißt, reagiert, greift durch, hart sogar. Hat Torwart Lehmann, 40, in Worten: vierzig, verboten, am Sonntag alleine am Starnberger See auszulaufen. Hat dem Kapitän Hitzlsperger, bekannt als pflegeleicht, das Amt entzogen. Also wenn diese beiden Maßnahmen entscheidend helfen, den Aufschwung zu bewerkstelligen, dann gibt es doch noch ein paar Dinge im Fußball, von denen ich nichts ahnte. Bis zum Beweis würde ich diesen Aktionen erst noch einen -ismus anhängen. Oder will irgendjemand dieses mühsame Remis über den VfL Bochum nach weitgehend grausamem Spiel als Befreiungsschlag werten? Es war keiner. Es war nicht mal ein Punkt für bedingungslose Treue.

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