Marcel Reifs Kolumne : Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort

Unser Kolumnist Marcel Reif legt nach den Abschieden von Alex Ferguson nach 27 Jahren bei Manchester United und Jupp Heynckes nach dieser grandiosen Saison bei Bayern München auch einen dritten großen Trainer einen Abgang nahe.

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Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Tja, irgendwann ist eben Schluss. Dass Alex Ferguson nach 27 Jahren in den Ruhestand tritt, nun ja, der ist verdient, und dass das Wehmut auslöst, ist verständlich. Und zeigt doch, dass selbst bei so einem Fußball-Unternehmen wie Manchester United die Romantik nicht zu zerstören ist. Es nimmt ein großer Trainer Abschied, wie auch hier ein Großer geht, Jupp Heynckes. Aber was ist ein guter, ein herausragender Trainer? Das ist ein Trainer, der zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist und das Richtige macht. Klingt banal. Ist es aber nicht.

Christian Streich, zum Beispiel. Der macht alles richtig in Freiburg, erkennt die Möglichkeiten, setzt sie um, und weiß gewiss auch, dass eine dauerhafte Beziehung eines Trainers zu einem Verein kein Wert an sich ist. Schön, wenn es hält, wie Manchester United, wie lange Zeit bei Otto Rehhagel bei Werder Bremen, wie lange Zeit bei Thomas Schaaf bei Werder Bremen. Womit wir dann auch schon beim Thema wären. Vor geraumer Zeit sagte ich an dieser Stelle, dass es mit Trainern wie mit Spitzenköchen sei, sie müssen auch mal auf Wanderschaft gehen. Schaaf hat Werder enorm viel gegeben, der Klub wird ihn, sollte ihn ewig ehren und dankbar sein. Aber mitunter ändern sich die Zeiten, dann schleicht sich die Veränderung ein, die Abnutzung. Dann verlor Werder manches von den Dingen, die Werder über Jahrzehnte ausgemacht hat, die Kontinuität, die Fortune für Transfers, die Gelassenheit, alles Dinge, für die Thomas Schaaf der richtige Mann am richtigen Ort gewesen ist. Dann blieb das Geld aus den internationalen Wettbewerben aus, und dann hilft das größte Glück nichts mehr, wenn man Spieler nicht holen kann, weil die Kasse zu knapp ist. Dann stimmt die Mannschaft nicht mehr, dann fallen die Ergebnisse negativ aus, dann rutscht der Verein ab. Das ist alles nicht Schuld eines Trainers, aber er trägt Mitschuld, mindestens die Verantwortung. Und dann ist plötzlich der richtige Mann am falschen Ort, oder der falsche Mann am richtigen Ort, es ist müßig, diesen Unterschied zu ziehen.

Werder ist nicht abgestiegen, da half Hoffenheim aus, Augsburg, Fürth, und die Fortuna aus Düsseldorf (ja, ich weiß, ich hatte hier schon anderes prophezeit). Aber dass es höchste Zeit ist, etwas zu ändern, muss Werder klar sein, und die Veränderung müssen sie angehen. Und Thomas Schaaf sollte erkennen, dass es eine gute, eine schöne Zeit war mit ihm und für ihn bei Werder. Die ist vorbei. Er sollte woanders sein Glück versuchen, sein Können einsetzen. Denn dass er es kann, hat er bewiesen. In all den Jahren, in denen er der richtige Mann am richtigen Ort war.

Marcel Reif ist Chefkommentator bei Sky.

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