Maria Riesch : "Das erste Kristall ist schon etwas Besonderes"

Maria Riesch hat mit einem zweiten Platz in Crans Montana die Kombinationswertung gewonnen und beschert den deutschen Skifahrern damit die erste Kristallkugel seit sechs Jahren. In der Gesamtwertung liegt weiter Lindsey Vonn in Führung.

Emil Gast,Helen Scott-Smith[dpa]
Riesch
Die Amerikanerin Lindsey Vonn, Anja Paerson aus Schweden und Maria Riesch in Crans Montana. -Foto: AFP

Crans Montana/Kranjska GoraMaria Riesch hat die Durststrecke der deutschen Alpinen mit der ersten kleinen Kristallkugel seit sechs Jahren beendet und ihre Vorgängerin Hilde Gerg zu Tränen gerührt. Die Skirennfahrerin aus Partenkirchen musste sich am Sonntag bei der Super-Kombination im schweizerischen Crans Montana mit dem zweiten Platz hinter der Schwedin Anja Pärson begnügen. Der achte Podestplatz in diesem Winter reichte Riesch aber für ihre erste kleine Kristallkugel vor Freundin Lindsey Vonn (USA). "Lindsey hat die Abfahrtskugel schon gewonnen und wird wohl auch den Gesamtweltcup gewinnen, dann kann sie mir die Kombikugel lassen. Das erste Kristall für mich ist schon etwas Besonderes", gestand die 23-Jährige und feierte den Erfolg im Ziel mit den überglücklichen Eltern. Felix Neureuther erreichte als Slalom-Sechster im slowenischen Kranjska Gora seinen sechsten Top-Ten-Platz des Winters.

Im Gesamtweltcup löste Riesch die Österreicherin Nicole Hosp auf dem zweiten Platz ab. Zwar ist der Rückstand von 157 Punkten auf Lindsey Vonn (USA), die am Samstag die Abfahrt gewann, fast uneinholbar groß. Doch Maria Riesch darf immerhin weiter davon träumen, als erste Deutsche seit Katja Seizinger 1998 in einer Woche auch die Große Kristallkugel in den Händen halten zu dürfen.

Neureuther im Slalom auf Rang sechs, im Riesenslalom nur 40.

Den Ruf als "Mr. Zuverlässig" untermauerte Neureuther auf seinem Unglückshang von 2007, auf dem er beim Sieg des Italieners Manfred Mölgg als Sechster wie immer seit dem Unfall vor einem Jahr in die Punkte fuhr. Im Riesenslalom verfehlte er als 40. dagegen den zweiten Durchgang; sein Kumpel Ted Ligety (USA) fuhr zum Sieg. Vier Rennen vor Saisonende steht der Amerikaner Bode Miller mit 169 Punkten Vorsprung auf Didier Cuche (Schweiz) vor dem zweiten Gesamtsieg.

Hilde Gerg, die 2002 als letzte Alpine eine Disziplin-Wertung (Super-G) für den Deutschen Skiverband (DSV) gewann, vergoss nach Rieschs gelungener Vorstellung als ZDF-Expertin vor laufender Kamera Tränen. "Es erinnert mich ein bisschen an die eigene Karriere", sagte Gerg, die Riesch sogar die Große Kristallkugel zutraut. "Im Gesamtweltcup ist alles möglich."

Eher nüchtern bewertete Alpin-Direktor Wolfgang Maier den Erfolg seiner Vorzeigesportlerin - zu vergänglich seien die Ergebnisse. "Wir sind im Spitzenbereich wieder präsent. Das ist natürlich schön, aber in einer Woche werden alle Uhren wieder auf null gestellt", sagte Maier. Auf seine Nummer eins kommt aber wohl eine große Zeit zu. "Das Mädel ist hoch talentiert. Wir sind froh, dass wir so eine Athletin haben. Sie ist durch Verletzungen zurückgeworfen worden und kommt Schritt für Schritt dahin, wo sie eh schon mal war."

"Freue mich, dass ich heil ins Ziel gekommen bin"

Die Karrierebestleistung von Gina Stechert (Oberstdorf) als Sechste in der Kombination ging im Jubel um Riesch fast unter. "Der Erfolg von Maria ist in Anbetracht der finanziellen Situation des DSV Gold wert und Balsam auf die Wunden", sagte Damen-Cheftrainer Mathias Berthold, der nach dem packenden Krimi vor den Augen von James-Bond- Darsteller Roger Moore erleichtert war. Nun will Riesch beim am Mittwoch beginnenden Weltcup-Finale in Bormio auch ihre Führung im Super-G-Weltcup verteidigen und die zweite Kristalltrophäe einheimsen. Eine Bestmarke erreichte Pärson mit ihrem Sieg. Als vierte Skirennfahrerin überhaupt ist sie Siegerin in allen fünf Disziplinen. Riesch fehlt dazu noch ein Erfolg im Riesenslalom.

Bei den Herren gab es beim ersten Weltcup nach der Unterschenkel-Amputation von Matthias Lanzinger, der am Wochenende von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt wurde, keine Entscheidungen in den Disziplin-Wertungen. Neureuther verfehlte im Slalom zwar sein fünftes Podest um 0,37 Sekunden, war aber dennoch froh. "Es war die gleiche Situation wie letztes Jahr und da habe ich mir die Schulter ausgekugelt. Ich hatte ein bisschen Respekt vor dem Hang und freue mich, dass ich heil ins Ziel gekommen bin", gestand der 23-Jährige.

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