Sport : „Mariendorf bleibt bestehen“

Der neue Traber-Chef Ulrich Mommert über die Zukunft der Pferderennbahn

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Herr Mommert, am Montag wurden Sie mit großer Mehrheit an die Spitze des Berliner Trabrennvereins gewählt. Eine Organisation, die zuletzt mehr durch Verkaufsspekulationen als durch Erfolgsmeldungen auf sich aufmerksam machte.

Diesen Kreislauf wollen wir jetzt durchbrechen. Zusammen mit meinem Stellvertreter, dem zwölfmaligen Berliner TraberChampion Peter Kwiet, und den beiden anderen Vorstandsmitgliedern Matthias Schirmann und Axel Reinke bin ich mit einem klaren Ziel angetreten: Die 90-jährige Tradition der Bahn in Mariendorf wird fortgeführt. Da gibt es ab sofort kein Wenn und Aber mehr. Mariendorf bleibt bestehen, das garantiere ich.

Auf der Mitgliederversammlung wurden dafür spontan Einlagen und Bürgschaften in Höhe von rund 100 000 Euro gezeichnet. Um die Veranstaltungen auf der Tempelhofer Piste aber durchführen zu können, könnte allein innerhalb der nächsten zwei Jahre die zehnfache Summe anfallen.

Ich möchte jetzt keine Zahlen nennen, aber zusammen mit der Amateur-Championesse Marion Jauß werde ich mich finanziell engagieren, um den Druck vom Verein zu nehmen. Daher war uns beiden das psychologische Signal, das die anderen Mitglieder gesetzt haben, so wichtig. In den vergangenen Monaten war der Klub nur noch ein zerstrittener Haufen. Damit muss jetzt Schluss sein, wir brauchen ein neues Wir-Gefühl.

Sie leiten eine Firma mit 1000 Angestellten, haben 100 Pferde auf Ihrem 70-Hektar-Gestüt und sind Vorstandsmitglied des Hamburger Rennklubs. Hat Ihnen das nicht gereicht?

Ich habe mich ja nicht um dieses Amt gerissen, aber ein Notvorstand wäre keine Alternative gewesen. Also musste ich Farbe bekennen. Mariendorf wird Zeit brauchen, um langfristig zu gesunden. Ich will vor allem die Kostenseite untersuchen. Da wird gehobelt, und die Späne werden fallen, auch im Personalbereich. Für viele werde ich zum Buhmann werden, aber davor habe ich keine Angst. Da kann ich sogar ein verdammt harter Hund sein.

Was muss sich denn darüber hinaus ändern?

Vor allem die Atmosphäre und unser Verhältnis zum Publikum. Durch die ständige Diskussion über die Schließung der Trabrennbahnen sind viele der treuen Fans verunsichert worden. Wir starten jetzt bei Null und werden neu um die Gunst der Zuschauer kämpfen.

Im Sulky sind Sie mittlerweile kampferprobt. Sie sind jetzt 62 und haben die Trabrennbahnen erst für sich entdeckt, als Sie schon über 50 waren. Eigentlich sehr ungewöhnlich …

Ich hatte früher Galopper, aber das war etwas anderes. Da war man quasi abgeschirmt. Selbst als Besitzer wurde man vom Trainer nur ungern in die Box zu einem Pferd gelassen. Im Sattel ist ja auch alles viel schwieriger. Das ist bei den Trabern anders, da ist man viel dichter dran.

Was macht denn die Faszination dieses Sports aus?

Ich glaube, wer jemals die Fahrleine in die Hand genommen und sich hinter ein Pferd in den Sulky gesetzt hat, der wird dieses Gefühl nie vergessen. Ich bin richtig versessen darauf und will auch den kommenden Jahren Rennen bestreiten. Es ist die Nähe zu den Pferden. Davon lebt der Sport, und das wollen wir unserem Publikum zeigen.

Das Gespräch führte Heiko Lingk.

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