Mariendorf : Der Krise davontraben

Vor der Derby-Woche herrscht in Mariendorf trotz schwerer Zeiten Zuversicht. Seit Ende 2008 verzeichnen die Betreiber steigende Wettumsätze.

Katja Reimann
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Erwartungsträger. Gustav Diamant mit Gerhard Biendl im Sulky zählt in Mariendorf zu den Favoriten. Foto: Imago

BerlinBerlin - Eine Minute, wenige Sekunden – viel länger dauert sie nicht, die schnelle Fahrt über zweitausend Meter. Auf dem sandigen Geläuf klingen hektisch und dumpf die Trabschritte der Pferde, flop flop flop. Im Trabrennsport geht es um Siege, weniger um zweite und dritte Plätze. Und es geht ums Geld. Gewinnsummen, Dotierungen, Wetteinsätze, der Sport lebt von ihnen. Und nach vielen schlechten Jahren, in denen das Wettgeschäft bundesweit einbrach, sind nun zumindest die Betreiber der Trabrennbahn Mariendorf im Süden Berlins hoffnungsvoll. Sie verzeichnen seit Ende 2008 wieder steigende Wettumsätze.

Am Sonntag beginnt in Mariendorf die Deutsche Traber-Derby-Woche. Zum 114. Mal kämpfen am 2. August die besten dreijährigen Pferde im Deutschen Derby um Sieg und um Geld. Mehr als 200 000 Euro beträgt die gesamte Gewinnsumme am Derby-Sonntag. 700 000 Euro Preisgeld sind während der Woche insgesamt zu gewinnen, 500 Pferde starten. Und Geschäftsführer Uwe Krop ist sich sicher, dass in dieser Derby-Woche rund 2,2 Millionen Euro Wettumsätze erzielt werden können. Im vergangenen Jahr waren es 1,93 Millionen.

Uwe Krop ist zuversichtlich, und kann es sein. Denn die Finanzierung der Rennbahn in Mariendorf ist gesichert, dank der Hilfe von Ulrich Mommert, dem Chef des Berliner Trabrenn-Vereins, dem das Areal gehört. Das ist beruhigend und keinesfalls selbstverständlich. Gerade erst hat der Trabrennverein Dinslaken Insolvenz beantragt. Auch auf der Rennbahn in Pfaffenhofen fiel das Rennen am Freitag aus: wegen der geringen Totoumsätze der vergangenen Wochen.

Von jeder Wette, die im so genannten Totalisatorsystem abgeschlossen wird, behält die Rennbahn etwa 30 Prozent, davon werden Preisgelder und Unterhalt der Anlage bezahlt. Fehlen die Wetteinsätze, sinken die Rennpreise. Und wo nur wenig zu gewinnen ist, starten wenige Pferde. Noch 1993 lag der Wettumsatz bundesweit bei etwa 213 Millionen Euro, erklärt Krop. 2008 waren es nur noch 36 Millionen. Schuld daran war, dass zunehmend Buchmacher auf eigenes Risiko attraktivere Quoten anboten. Von dem dabei gesetzten Geld haben aber die Rennvereine nichts.

Seit einiger Zeit nun hat die Vermarktungsgesellschaft Win Race einen Vertrag mit den Buchmachern geschlossen, der sie dazu bringen soll, mehr Wetten im Totalisatorsystem anzubieten. Und seitdem, so scheint es, geht es im Trabrennsport aufwärts. „Es ist ein Pflänzchen, das langsam gedeiht“, sagt Ulrich Mommert. Der Weg sei aber noch lang.

Umso mehr wird versucht, das Publikum in der Derby-Woche fürs Wetten zu begeistern. Spannend wird es gleich zu Beginn, beim Charlie-Mills-Memorial am Sonntag: 15 Traber laufen um 30 000 Euro. Einer der Favoriten ist der Bahnrekordler Gustav Diamant mit dem erfahrenen Gerhard Biendl im Sulky.

Ein Trabrennpferd, sagt Uwe Krop, sei eigentlich eine laufende Lottokugel. Mit dem Vorteil, dass man nicht wie beim echten Lotto bis zum nächsten Samstag auf das Ergebnis warten muss – sondern nur eine Minute und wenige Sekunden.

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