Sport : Marko Pantelic

Wie Herthas Stürmer gegen Dortmund spielte

Ingo Schmidt-Tychsen

Kurz vor dem Anpfiff führen die 22 Fußballprofis im Berliner Olympiastadion Kinder auf das Spielfeld. Herthas Brasilianer Marcelinho nimmt seinen Sohn an die Hand, dem er ohne Unterlass über den Kopf streichelt. Der Stürmer Marko Pantelic führt einen fremden Jungen auf den Rasen, doch dieser erfährt mindestens genauso viele Zärtlichkeiten wie Marcelinhos Sohn. Es wird nicht die einzige Nettigkeit bleiben, die Pantelic an diesem Nachmittag zu vergeben hat. Der Serbe ist wohl auch deshalb so gut gelaunt, weil er am Freitag einen Vertrag unterzeichnen durfte, nach dem er drei weitere Jahre in Berlin spielen darf.

Weil seine berufliche Zukunft nun geklärt ist, will Pantelic einen Deutschkurs belegen. Unbedingt nötig hätte er das nicht – zumindest auf dem Fußballplatz spricht sein Körper eine deutliche Sprache. Wie in jedem Spiel winkt der Serbe immer dann ganz aufgeregt, wenn ein Mitspieler ihm den Ball zuspielen könnte. Selbst wenn es Herthas Torwart Christian Fiedler ist. Gegen Dortmund hat er damit mehr Erfolg als gewöhnlich, er kommt sehr häufig an den Ball, auch weil er sich immer wieder ins Mittelfeld zurückfallen lässt. So wie kurz nach Spielbeginn, als er versucht, einen Doppelpass mit Marcelinho zu spielen, dabei aber Markus Brzenska anschießt. Der Dortmunder lenkt den Ball genau in den Lauf Marcelinhos, der die gute Chance vergibt. Einen weiteren Gefallen tut Brzenska Pantelic nicht mehr, im Gegenteil: Die Zweikämpfe führt der Verteidiger hart, in der 38. Minute tritt er Pantelic in die Beine. Der Stürmer bleibt eine Weile am Boden liegen, Brzenska sieht die Gelbe Karte. Pantelic humpelt kurz, dann läuft er wieder rund. „So viel wie heute bin ich noch nie gerannt“, wird er später sagen. „Das war unser bestes Spiel in dieser Saison, nur ein Tor hat gefehlt.“

In der 52. Minute wäre Pantelic beinahe ein Treffer gelungen. Nach einem Zuspiel von Marcelinho verpasst er den Ball knapp. 16 Minuten später schießt Marcelinho dann selbst aufs Tor, obwohl ein Pass auf Pantelic wohl die bessere Lösung gewesen wäre. Pantelic reißt die Arme hoch, es sieht so aus, als wolle er sich beschweren. Als Marcelinho zu ihm herüberschaut, überlegt er es sich anders und klatscht mit beiden Händen über dem Kopf. Nach dem Spiel schließt er den momentan glücklosen Marcelinho in die Arme.

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