Sport : Mast- und Schotbruch

Der Seglergruß wurde für das Team New Zealand in der ersten Wettfahrt zum America’s Cup zur bitteren Wahrheit

Ingo Petz

Auckland. Am Ende lag Dean Barker in der Yacht. Der 29-Jährige hatte die Schirmmütze ins Gesicht gezogen und versuchte zu verarbeiten, was passiert war. Sein Team New Zealand hatte im kürzesten Rennen der America’s-Cup-Geschichte aufgeben müssen. Nach einer Reihe von Materialpannen und 25 Minuten nachdem die schwarze NZL 82 ins erste Rennen zur Verteidigung der Silberkanne gestartet war.

Mehr als 2500 Schiffe hatten die Kontrahenten auf dem Weg zum Start in den Dreieckskurs auf den Hauraki Golf begleitet, darunter die zwei Kreuzfahrtschiffe „Europa" und „The World". Zuvor verließ die neuseeländische Yacht ihr Quartier im Viaduct Hafen bei strahlendem Sonnenschein. 100 000 Besucher jubelten dem Team New Zealand zu, schwenkten Flaggen und spielten Musik. Die Schweizer Herausforderer mit der Alinghi folgten zehn Minuten später, begleitet von Alphornbläsern und Kuhglockengeläut.

Die Alinghi, geführt von Steuermann Russell Coutts und dem deutschen Sportdirektor Jochen Schümann, war gleichauf mit den Gastgebern über die Startlinie gesegelt. Bei Böen von bis zu 25 Knoten und unruhiger See. Doch das Neuseeländische Boot mit der Kennung NZL 82, deren Design-Innovationen vor den Rennen viel diskutiert worden war, war schnell. Sie lag in Führung – bis nach zehn Minuten das Malheur begann. Rund eine Tonne Wasser hatten sich im Boot gesammelt. Crew-Mitglieder versuchten sich der Flut mit Eimern zu erwehren. Doch dann brachen das hintere Ende des Großbaums und eine Welle löste die Befestigung des Vorsegels.

„Als der Großbaum gebrochen war, wussten wir, dass uns ein harter Kampf bevorstehen wird", sagte der enttäuschte neuseeländische Skipper Barker nach der Rückkehr. Er begründete das Wasserproblem mit den vielen Besucherbooten, die eine zu unruhige See verursacht hätten. Neutrale Beobachter vermuteten dagegen eher, dass das Boot wegen eines zu offensiven Starts außer Kontrolle geraten war und zu schief im Wasser lag. „Wir sind aber nicht aus dem Rennen, nur weil wir einen schlechten Tag erwischt haben“, sagte Barker.

Die rot-graue SUI 64, die Alinghi, musste nach den Regeln des Cups den 18,5 Seemeilen Parcours schließlich allein zu Ende bringen. Die Crew kam somit im Schongang zum ersten Zähler in der Best-of-nine-Serie. Und ist noch vier Siege davon entfernt, als erstes europäisches Team in der 152-jährigen Geschichte des Cups zu triumphieren.

„Wir haben zwar einen Punkt gesichert, doch Grund zum Jubeln haben wir angesichts der Bruchserie unseres Gegners nicht“, sagte Jochen Schümann. „Wir waren nicht langsamer als die Neuseeländer. Wir haben gesehen, dass unser Boot zuverlässig ist.“ Coutts stellte im Auftaktrennen einen Rekord auf. Zum zehnten Mal hintereinander gewann er eine America’s-Cup-Regatta und verbesserte die 100 Jahre alte Bestmarke des Amerikaners Charlie Barr.

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