Sport : Mehr Geld, weniger Last

Beim Final Four der Handballer wächst der Reformdruck auf die internationalen Verbände

Hartmut Moheit

Berlin - Ginge es nach Miguel Roca, dann fände heute am Rande des Final Four in Hamburg nicht nur „ein Gedankenaustausch“ statt, wie vom Manager der Handball-Bundesliga (HBL) Frank Bohmann angekündigt. Am liebsten wäre es dem Generalsekretär der spanischen Handball-Liga, wenn beim Treffen mit seinen Liga-Chef-Kollegen Jaques Aquiminet aus Frankreich und dem Dänen Arne Josefsen sowie den Managern der fünf besten deutschen Bundesliga-Teams etwas Verbindliches herauskommen würde. Von Spanien, dem Land des Handball-Weltmeisters und EM-Zweiten, geht bereits die Drohung in Richtung der Europäischen Handball-Föderation (EHF) aus, ab der Saison 2007/2008 nicht mehr in Europacup-Wettbewerben anzutreten, sondern etwas Separates zu schaffen. Die europäischen Spitzenligen fordern, dass die EHF beispielsweise den Mittwoch als Europacupspieltag festlegt und in den nationalen Wettbewerben einheitliche Spielpläne durchsetzt. Damit sollen Wettbewerbsverzerrungen verhindert werden. „Egal, wann gespielt wird, es muss für alle derselbe Tag sein“, sagt Frank Bohmann.

Wenn es nur dieses eine Problem im internationalen Wettbewerb zu klären gäbe, wäre eine Lösung nicht so schwer. Aber es geht in der Auseinandersetzung zwischen den maßgebenden nationalen Verbänden in Europa mit der EHF – und auch dem Internationalen Handball-Verband (IHF) – längst um viel mehr. Was im Januar bei der Männer-EM in der Schweiz mit einer Diskussion über zu hohe Belastungen der Nationalspieler durch internationale und nationale Verpflichtungen begonnen hatte, ist durch einen Verteilungskampf ergänzt worden. IHF und EHF sollen nach Ansicht der Verbände mit WM und EM zum Vier-Jahres-Rhythmus zurückkehren, um den Nationalmannschaften, beispielsweise durch die Einführung einer Welt- oder Europa-Liga, größere Vermarktungschancen zu ermöglichen.

Uwe Schwenker, Geschäftsführer des THW Kiel, sagt: „EHF und IHF sind keine Interessenvertreter der Klubs mehr, sondern Wettbewerber der Vereine. Dabei werden die Spieler zwölf Monate im Jahr von ihren Klubs bezahlt, müssen aber ein Fünftel der Zeit für die Nationalmannschaft abgestellt werden, in der die Verbände Geld mit unseren Spielern generieren.“ Er verweist darauf, dass 80 Prozent der Etats in den Klubs für Personalkosten ausgegeben werden. Für den HBL-Vorsitzenden und Manager des SC Magdeburg, Bernd-Uwe Hildebrandt, ist das ein Grund, in letzter Instanz sogar den Europäischen Gerichtshof einzuschalten. „Dann werden wir dort prüfen lassen , ob es rechtens ist, dass die Spieler als unsere Arbeitnehmer mehr als 80 Tage abgestellt werden müssen mit dem Ziel, dass IHF oder EHF mit ihnen Geld verdienen“, sagt er. „Unsere Rechtsanwälte haben die Unterlagen bereits ausgearbeitet.“

Hildebrandt verlangt genau das, was im Fußball praktiziert wird – Abstellprämien für die Nationalspieler. Damit ist auch der Deutsche Handball-Bund gefordert. Bisher sind die Vereine nur bei Verletzungen versichert. Der Deutsche Fußball-Bund bezahlt freiwillig 3000 Euro pro Partie und Spieler an die Klubs sowie eine jährliche Gebühr von 600 000 Euro an die Liga. Nach den Vorstellungen der Interessenvertretung „G14“ sollte die Fifa, der Welt-Fußball-Verband, den Klubs eine Entschädigung von 200 Millionen Euro für die Abstellung der Nationalspieler zur WM 2006 zahlen.

Die maßgebenden Verbände im Handball fordern eine schnelle Lösung. Die EHF kann sich Cup-Wettbewerbe ohne spanische oder deutsche Klubs nicht leisten. Wie stark diese Teams sind, zeigen die Finalbesetzungen der vier Wettbewerbe in dieser Saison: Von acht Mannschaften kommen fünf aus beiden Ländern. Mit diesem Pfund wuchert nun Miguel Roca. Im Champions-League-Finale sind mit Ciudad Real und Portland San Antonio die Spanier sogar unter sich.

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