Sport : Mehr Trubel als Tore

Selten verlief die WM-Vorbereitung eines deutschen Eishockey-Nationalteams so chaotisch wie diesmal

Claus Vetter

Berlin. Hans Zach ist vor der am Sonnabend beginnenden Eishockey-Weltmeisterschaft in Finnland um sein Amt als Bundestrainer nicht zu beneiden. Denn selten verlief die Vorbereitung einer deutschen Auswahl derart holprig wie diesmal. Weil Zach in seinem Hauptberuf als Coach der Kölner Haie bis Montag bei den Finalspielen um die deutsche Meisterschaft beschäftigt war, absolvierte die Nationalmannschaft ihre Testspiele ohne den Bundestrainer. Die Partie in der Deutschlandhalle gegen Weißrussland (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet) war der einzige Test vor der WM überhaupt, bei dem Zach hinter der Bande des deutschen Teams stand.

In fünf Vorbereitungsspielen zuvor hatten die Deutschen nur einen Sieg gegen Dänemark gelandet. Es ging recht chaotisch zu, bei jeder Partie durften sich neue Spieler mal im Nationalteam versuchen. Wobei auch das Team, das Mittwoch in Berlin auflief, immer noch nicht das war, welches Sonntag beim ersten WM-Spiel gegen Japan auf dem Eis stehen soll. Sieben Spieler aus Krefeld und Köln durften sich noch von den Strapazen des Meisterschafts-Endspiels ausruhen. Bitter ist für Zach zudem, dass sich nach den Absagen der Stürmer Jochen Hecht (Buffalo) und Marco Sturm (San Jose) auch die letzten Hoffnungen auf Verstärkung aus der nordamerikanischen Profiliga NHL zerschlugen. Torwart Olaf Kölzig (Washington) kommt nicht zur WM, auch Verteidiger Dennis Seidenberg wird nicht in Finnland spielen, da seine Philadelphia Flyers in der zweiten Runde der NHL-Play-offs stehen.

Zach dürfte es wenig trösten, dass in der Heimat die Absagen der deutschen NHL-Spieler heftig kritisiert werden, etwa vom ehemaligen Nationalspieler Lorenz Funk. „Hecht und Sturm wurden doch in Deutschland ausgebildet“, sagte Funk. „Dass sie es nicht schaffen, den Schläger für ihr Land in die Hand zu nehmen, ist ein Skandal.“ Kein Scherz war indes, dass sich der 55-jährige Präsident der Capitals als Verstärkung für das Spiel gegen Weißrussland anbot. „Ich habe nie ein richtiges Abschiedsspiel in der Nationalmannschaft bekommen“, sagte Funk. „Mit einem Kurzeinsatz wäre ich zufrieden.“ Funks Gemütszustand interessierte Zach aber wenig, der Bundestrainer verbat sich das präsidiale Mätzchen – auch wenn es als Schlussstrich unter eine schludrige WM-Vorbereitung der Deutschen gepasst hätte. Doch irgendwann ist es einfach mal genug: Funk durfte Mittwoch nur den Puck beim ersten Bully einwerfen.

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