Meine  Paralympics : Sport hilft heilen

Die gegenseitigen Provokationen von Kim Jong Un und Donald Trump werfen einen Schatten auf die Paralympics in Südkorea. Sind die Spiele sicher?

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Sport ist eben auch Politik. Friedhelm Julius Beucher schlug in Sotschi eine Einladung von Waldimir Putins aus.
Sport ist eben auch Politik. Friedhelm Julius Beucher schlug in Sotschi eine Einladung von Waldimir Putins aus.Foto: Imago

Es war ein seltsamer Moment. Ein Moment, den ich nicht vergessen werde. Während der Paralympischen Winterspiele 2014 in Sotschi sehe ich auf den Tribünen im kaukasischen Schnee Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Dieser Machtmensch, der zu dieser Zeit schon der Ukraine mit dem Einmarsch auf die Krim drohte. Und jetzt saß er da und klatschte und jubelte wie ein ganz normaler Fan den blinden und amputierten Paralympioniken beim Wintersport zu.

Ich erinnere mich noch an Putins Appell an die Weltgemeinschaft, die Spiele der Menschen mit Behinderung nicht wegen der politischen Debatte zu boykottieren – und dadurch doch die Athleten mit Behinderungen zu strafen. Das sahen einige anders, etwa der Präsident des Deutschen Paralympischen Komitees, Friedhelm Julius Beucher, der eine Einladung Putins zum offiziellen Dinner mit ihm ausschlug. Sport ist eben auch Politik.

Es war wirklich ein seltsames Gefühl, selbst voll mit diesem positiven paralympischen Adrenalin, gemeinsam mit unseren jungen Journalisten der Paralympics Zeitung zu den Sportstätten in Kransnaja Poljana und am Schwarzen Meer zu fahren. Während Soldaten im Wald versteckt an Abwehrkriegsgerät Stellung hielten und im Wasser vor dem Olympischen und Paralympischen Park Kriegsschiffe patrouillierten.

Natürlich waren wir und die Herausgeber unserer Paralympics Zeitung, vom Tagesspiegel und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, in ständigem Kontakt mit allen Behörden auch in Deutschland, die die Sicherheit unserer Crew tagesaktuell bestätigten. Wohl kaum eine Gegend der Welt war damals so gut abgesichert, und die Krim lag ja rund 500 Kilometer entfernt.

Das russische Publikum in Sotschi applaudierte drei Nationen

Nordkorea ist jetzt viel weiter weg, doch die gegenseitigen Provokationen der Staatsführer Kim Jong Un und des amerikanischen Präsidenten Donald Trump besitzen eine andere, zerstörerischere Dimension. Und deswegen ist es nur vernünftig, wenn Beucher nun sagt: „Es ist eine dramatische Entwicklung zu beobachten. Dieser Krieg der Worte bereitet uns große Sorgen. Zum jetzigen Zeitpunkt erwägen wir jedoch noch keinen Verzicht auf eine Reise zu den Paralympischen Spielen in Südkorea. Gleichwohl fordern wir das Internationale Olympische Komitee sowie das Internationale Paralympische Komitee auf, ernsthaft Alternativen zu prüfen und einen Plan B zu entwickeln.“

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Lautes Säbelrasseln zwischen Washington und Pjöngjang
Lautes Säbelrasseln zwischen Washington und Pjöngjang

Beucher, der auch Präsident des Deutschen Behindertensportverbands ist, versichert, dass der Verband in ständigem Austausch mit dem Auswärtigen Amt, der Botschaft sowie den Sicherheitsbehörden bleibe. „Sollten sich im Zuge der weiteren Entwicklung Anzeichen ergeben, dass die Sicherheit für die Mannschaft vor Ort nicht gewährleistet werden kann und eine konkrete Gefahr vorliegt, werden wir über einen Verzicht selbstverständlich beraten. Der Krieg der Worte bereitet uns große Sorgen“, sagt Beucher.

In diesem Sinne bereitet sich auch hier in Berlin das aktuelle Team der Paralympics Zeitung 2018, das nunmehr achte internationale Jungjournalistenprojekt, mit aller Intensität, Vorsicht und Sorgfalt vor. Schon 2016 in Rio de Janeiro wurden die Spiele und auch unser Projekt mit allen nötigen Vorkehrungen vollzogen. In den Arenen, unter den Menschen selbst, fühlte sich dann aber alles ganz euphorisch an, und die größte Gefahr waren noch die Mücken am Strand.

Außerdem erlebten wir, wie Zuschauer, wie Athleten einander bedingungslos zujubeln und anfeuern. Das erfüllt mit Glück. Und es macht unendlich traurig über all die unsinnigen Kriege dieser Welt. Das russische Publikum applaudierte übrigens während der Spiele in Sotschi drei Nationen immer wieder besonders leidenschaftlich: Ihrem eigenen Team. Den Sportlern aus der Ukraine! Und sogar den Amerikanern. Sport hilft heilen.

Annette Kögel ist Mitbegründerin der Paralympics Zeitung des Tagesspiegels und schreibt hier an jedem ersten Mittwoch im Monat.

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