Meinung : Nur einer mehr

Mathias Klappenbach

BerlinSicher, Stefan Schumacher hat zwei Etappen bei der Tour de France gewonnen und das Gelbe Trikot getragen. Als Hoffnungsträger eines neuen Radsports hat ihn aber niemand gesehen. Und jetzt ist er nur ein weiterer von den vielen Dopingfällen, die es nach wie vor gibt und kein in besonderer Weise verdammenswerter.

Da verwundert die heftige Erregung von einigen Seiten, die sich so anhört, als sei zum ersten Mal ein etwas prominenterer Fahrer positiv getestet worden. „Kalte Wut“ empfindet ein Sprecher der ARD, egal, „ob ein Deutscher, ein Spanier oder ein Amerikaner erwischt wird“. Ja, sicher ist es nur zufällig ein Deutscher, der eventuell auslöst, dass ARD und ZDF keinen Radsport mehr übertragen und so manches Rennen in Deutschland deswegen um seine Existenz bangen muss. Bei den anderen Fällen in der letzten Zeit in anderen Ländern hat sich die ARD ja auch immer so drastisch zu Wort gemeldet.

So mancher, der am Radsport – warum auch immer – noch festgehalten hat, sieht im Fall Schumacher also die Chance, endlich einen Grund für den Absprung zu haben. Andere äußern routiniert ihre berufsmäßige Erregung, die wie in der Vergangenheit wohl ohne Folgen bleiben wird. Denn viel geändert hat sich an den Rahmenbedingungen trotz der vielen Dopingfälle nicht. Konnte es auch nicht, weil die Möglichkeiten der Sportpolitik im Gegensatz zu den Äußerungen ihrer Vertreter begrenzt sind.

Wenn man die Fernsehübertragungen aussetzt oder dem Radsport eine Olympiapause verordnet, kann das vielleicht ja sogar einen kleinen Effekt haben. Fragt sich nur, warum es dazu des soundsovielten Falls bedarf. Eine überlegte Entscheidung, die auf einer Analyse der gesamten Situation beruht, würde eher den Eindruck erwecken, dass man wirklich etwas ändern möchte. Aber darum scheint es nicht nur im Radsport den wenigsten zu gehen.

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