Sport : Meister der B-Note

Felix Meininghaus

Revierderbys sind immer eine ganz besondere Veranstaltung. Zumindest für die Menschen, die im Ballungsgebiet zwischen Ruhr und Emscher leben. Manchmal sind die Duelle zwischen Dortmund und Schalke aber auch über das Ruhrgebiet hinaus von gesteigertem Interesse. Zum Beispiel am Samstag bei der 119. Auflage des Klassikers: Erster gegen Vierter, richtungweisend in der Meisterschaftsfrage - das Derby als Bundesligagipfel.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Dass der Schlager die Erwartungen erfüllen konnte, lag in aller erster Linie an den Gastgebern. Denn obwohl das Endergebnis von 1:1 durch den spektakulären Heber von Schalkes Niels Oude Kamphuis und den Ausgleich durch den Brasilianer Ewerthon eine ausgeglichene Bilanz vorgaukelt, präsentierte sich der BVB als klar bessere Mannschaft. Beim Boxen wäre nach einem solchen Verlauf ein klarer Punktsieg für die Gastgeber ermittelt worden, doch beim Fußball gibt es ein solches Regulativ nun mal nicht. "Der Druck war so groß, weil wir keine Anspielstationen im Mittelfeld hatten", konstatierte Schalkes Abwehrspieler Marco van Hoogdalem. Ein Statement, das als Seitenhieb auf den alternden Andreas Möller zu verstehen ist. Dieser Einschätzung schloss sich Teammanager Andreas Müller an: "Wir hatten keinen, der im Mittelfeld mal mit Tempo durchgeht." Trotzdem gelang es Dortmund nicht, das Nachbarschaftsduell zu gewinnen. Und das zum neunten Mal in Folge.

Der Umstand, dass sich Borussia Dortmund auffallend schwer tut, die Spiele gegen die Konkurrenz aus der Spitze für sich zu entscheiden, sorgt beim Börsenklub für Diskussionsbedarf. Während Schalkes Mittelfeldspieler Möller "mit dem Punkt gut leben" konnte, sprach Matthias Sammer von "verlorenen Punkten, und das ist schon ärgerlich". Damit meinte der Trainer auch das vorangegangene 1:1 im Spiel bei den Bayern, bei dem die Dortmunder aus ihrem Übergewicht ebenfalls kein Kapital hatten schlagen können. Dortmund ist besser, geht aber nicht als Sieger vom Platz - ein Meister der B-Note.

Immerhin patzte auch Bayer Leverkusen, sodass vor dem Gipfel am Sonntag zumindest die Tabellenkonstellation gewahrt bleibt. Und überhaupt glaubt Michael Meier, dass sich das Schicksal bis zum Saisonende seinen Dortmundern zuwendet: "Wir haben bislang kaum einmal Dusel gehabt, also ist da noch was zu erwarten", sagte der BVB-Manager. Das Auftreten der Mannschaft in den vergangenen Wochen stimmt im Umfeld des Vereins alle zuversichtlich. "Von der Einstellung her ist die Mannschaft in der Lage, den Titel in Augenschein zu nehmen", sagte Meier. Für Rudi Assauer ist der Revierrivale ohnehin längst heißester Meisterkandidat: "Wir stellen nicht den Anspruch, Deutscher Meister zu werden, was die Dortmunder aber tun müssen", hatte Schalkes Manager vor dem Spiel gesagt. Trotz der Zurückhaltung - die Spitze haben sie auch auf Schalke nicht aus dem Blick verloren. Zumindest Andreas Möller fühlt sich mit dem derzeitigen Status ganz behaglich: "Wir sind in der Verfolgerrolle, für uns ist alles möglich."

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