Sport : Meister im Geraderücken

Der Sieg im Finale der Champions League schönt eine mäßige Saison für die Handballer des HSV.

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Trainer mit Pokal. Martin Schwalb lässt sich von den Spielern feiern. Foto: dpa Foto: dpa
Trainer mit Pokal. Martin Schwalb lässt sich von den Spielern feiern. Foto: dpaFoto: dpa

Köln - Die Fanlager der Handball-Bundesligisten THW Kiel und HSV Hamburg verbindet eine herzliche Abneigung. Insofern war der anhaltende Applaus der zahlreichen Kieler unter den 20 000 Zuschauern in der Kölner Arena nach dem Finalturnier der Champions League mehr als reiner Anstand. Wie der HSV am Sonntag in der Verlängerung des Endspiels den großen FC Barcelona mit 30:29 niedergekämpft hatte, sorgte selbst bei den härtesten THW-Hardlinern für etwas Bewunderung. Und diese Geschichte der Hamburger erst. Torhüter Johannes Bitter fasste die Spielzeit so zusammen: „Wir haben mit einem grandiosen Wochenende eine ziemlich bescheidene Saison geradegerückt.“

Bis zum ersten Hamburger Sieg im wichtigsten Europapokal, der als größter Erfolg in die junge Vereinschronik eingehen wird, hatte das Team von Trainer Martin Schwalb einige Rückschläge hinnehmen müssen. Nach zehn Bundesliga-Spieltagen hatte der HSV bereits sechs Minuspunkte auf dem Konto. „Das Thema Meisterschaft war in diesem Jahr schnell Geschichte“, sagte Schwalb, „aber man darf auch die Gründe dafür nicht vergessen.“ Phasenweise gab es im grundsätzlich luxuriös bestückten Hamburger Kader mehr verletzte Nationalspieler als gesunde. „2012 war ein echtes Seuchenjahr für uns“, sagte Kapitän Pascal Hens. Der Tiefpunkt war eine 27:37-Demontage beim Auswärtsspiel in Berlin im Dezember. Und mit dem frühzeitigen Ausscheiden beim Finalturnier um den DHB-Pokal in Hamburg schien wenige Monate später auch die letzte Möglichkeit auf einen Titel in dieser Saison vergeben worden zu sein. Trainer Schwalb sagte stolz: „Meine Mannschaft ist sensationell zurückgekommen. Wir hatten uns in der Weihnachtspause vorgenommen, dass 2013 unser Jahr werden soll.“ Das sei nun wahrlich der Fall, ergänzte Schwalb, „denn der Champions-League-Titel ist einer, der mal richtig zählt“. Auch für ihn persönlich.

Schwalb hat mit dem HSV schon die nationale Meisterschaft und den nationalen Pokal gewonnen. „Aber das kann man natürlich nicht vergleichen mit so einem historischen Sieg“, sagte der 50-Jährige, der als erster deutscher Trainer den bronzefarbenen Pokal mit der Weltkugel obendrauf gewann.

Beim HSV steht nun ein Umbruch bevor, man wird sich im Sommer von einigen altgedienten Profis trennen, mal mehr und mal weniger freiwillig. Igor Vori sei an dieser Stelle erwähnt, der Kreisläufer, den die Handball-Abteilung von Paris St. Germain mit katarischen Millionen nach Frankreich lockt. Oder der im Endspiel herausragende Michael Kraus, den es zurückzieht in seine Heimat nach Göppingen. Die spannendste Personalie bleibt allerdings Spielgestalter Domagoj Duvnjak. Der 25-jährige Kroate ist auf seiner Position der kommende Mann im Welthandball. Auch er wird von PSG umgarnt.

Duvnjak können die Hamburger schon deshalb gebrauchen, weil sie sich wegen der schlechten Bundesliga-Platzierung (Rang fünf) und trotz des Titelgewinns erst in einem Wildcard-Turnier für die kommende Champions-League-Saison qualifizieren müssen. Die Teilnahme an besagtem Turnier hat der HSV im Gegensatz zu den Füchsen Berlin bereits sicher. Ob der europäische Handball-Verband auch den Bundesligavierten aus Berlin dazu einlädt, entscheidet sich erst in den nächsten Wochen.

Ein Nachteil muss diese späte Gewissheit nicht zwangsläufig sein, wie die Geschichte des HSV in diesem Jahr zeigt. Der neue Titelträger hatte sich beim letztjährigen Wildcard-Turnier nur mit großer Mühe und ein wenig Glück überhaupt für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert. Christoph Dach

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