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M'gladbach - Stuttgart 2:3 : Von Kölnern lernen

Eine Halbzeit lang steuert Borussia Mönchengladbach gegen den VfB auf den ersten Heimsieg der Saison zu, doch am Ende feiert Stuttgart nach 0:2-Rückstand mit dem 3:2 noch seinen ersten Auswärtssieg.

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Verbissener Kampf: Gladbachs Igor de Camargo im Duell mit den Stuttgartern Serdar Tasci und Georg Niedermaier
Verbissener Kampf: Gladbachs Igor de Camargo im Duell mit den Stuttgartern Serdar Tasci und Georg NiedermaierFoto: Reuters

Sven Ulreich machte wenigstens einen Fan von Borussia Mönchengladbach glücklich. Es war der einzige. Das Spitzenspiel von unten war gerade abgepfiffen, da nahm Ulreich, der Torhüter des VfB Stuttgart, den Ball und drosch ihn hoch und weit in die Nordkurve. Irgendwo mussten die Emotionen ja hin. 0:2 lagen die Stuttgarter zur Pause zurück. 3:2 siegten sie am Ende – auch dank zweier strittiger Schiedsrichterentscheidungen. Auf der einen Seite pfiff Thorsten Kinhöfer das vermeintliche 3:2 für die Gladbacher ab, weil er zuvor ein Handspiel von Dante gesehen haben wollte; auf der anderen gab er fünf Minuten vor Schluss einen Elfmeter, nachdem Dante den Ball und Pawel Pogrebnjak getroffen hatte. „Die einen sagen, es war ein Elfmeter“, sagte Stuttgarts Manager Fredi Bobic. „Die anderen sagen, es war keiner. Mir ist das scheißegal.“ Hauptsache gewonnen.

Die Bedeutung des Spiels führte nicht unbedingt dazu, dass auf dem Feld die große Leichtigkeit regierte. Beide Mannschaften begannen sehr verhalten. Zehn Minuten passierte so gut wie gar nichts, bis Filip Daems einen Freistoß geschickt um die Stuttgarter Mauer zirkelte. Ulreich aber reagierte prächtig und lenkte den Ball zur Ecke.

Das Spiel war nicht nur das Duell zwischen dem Letzten und dem Vorletzten der Fußball-Bundesliga, es war auch das der schlechtesten Heimmannschaft gegen das schlechteste Auswärtsteam. Während die Stuttgarter ihrer bisherigen Bilanz zunächst alle Ehre machten, legten die Gladbacher Mitte der ersten Halbzeit einen Zwischenspurt mit Chancen im Minutentakt ein. Am Ende ihrer Drangperiode verfügten sie über einen scheinbar beruhigenden Vorsprung. Erst wuchtete Dante einen Eckball ins Tor, dann vollendete Igor de Camargo einen Konter zum 2:0. „Das hat uns voll aus der Bahn geworfen“, sagte Stuttgarts Mittelfeldspieler Christian Gentner. Andererseits habe die Mannschaft auch mitbekommen, „was der 1. FC Köln geschafft hat“. Die Kölner hatten am Nachmittag gegen die Bayern aus einem 0:2 zur Pause ein 3:2 gemacht.

Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia nahm in der Halbzeit zwei entscheidende Änderungen vor. Er brachte neben Zdravko Kuzmanovic Winter-Zugang Tamas Hajnal ins Spiel und gruppierte sein Personal zu einem 4-3-3-System. Der VfB kombinierte nun besser, während die Gladbacher keinen Zugriff mehr auf das Geschehen fanden. Innerhalb von zehn Minuten machten Pawel Pogrebnjak und Martin Harnik mit ihren Toren aus dem 0:2 ein 2:2. „Vom Spielverlauf kann man sich nichts Besseres für die Moral wünschen“, sagte Christian Gentner.
Die Gladbacher mauerten mit Beginn der zweiten Halbzeit, als wären nur noch wenige Minuten zu spielen. Sie schlugen die Bälle ohne Verstand nach vorne, während beim VfB mit Hajnal die Spielkultur zurückkehrte. „Ich habe versucht, Linie ins Spiel zu bringen“, sagte der Ungar, der seit einem halben Jahr nicht mehr in der Bundesliga gespielt hatte. Die Gladbacher kamen zwar eine Viertelstunde vor Schluss durch Mohamadou Idrissou zum vermeintlichen 3:2, einen Sieg der Hausherren aber hätte Fredi Bobic als Witz empfunden: „Du hast gespürt, hier wird das Spiel gedreht.“

Während die Gladbacher weiter ohne Heimsieg sind und nächste Woche auf Dante (Gelb-Rot) verzichten müssen, feierten die Stuttgarter ihren ersten Erfolg in der Fremde. „Wir haben unglaubliche Leidenschaft gezeigt“, sagte Christian Gentner. „Das ist Abstiegskampf.“ Es hörte sich fast schon begeistert an.

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