Sport : Michael Johnson im Gespräch: "Sydney ist ein anderes Vergnügen"

Herr Johnson[Ihr Vorlauf über 400 Meter war]

Michael Johnson (33) ist zurzeit der Star der Leichtathletik schlechthin. Der US-Amerikaner, Weltrekordler über 200 und 400 m sowie neunfacher Weltmeister, strebt in Sydney über 400 m und mit der 4 x 400-m-Staffel seine Olympiasiege vier und fünf an.

Herr Johnson, Ihr Vorlauf über 400 Meter war nicht nur aus sportlicher Sicht ein ästhetisches Vergnügen. Wo haben Sie denn diese Laufschuhe her? 24 Karat Gold tragen Sie da an Ihren Füßen herum - das dürfen wir wohl als Symbol verstehen, oder ?

Als Symbol wofür?

Für Unbesiegbarkeit.

Das haben Sie gesagt. Wissen Sie, wir haben mit den Leuten von Nike lange am Design dieser Schuhe gearbeitet. Schließlich haben doch alle von mir erwartet, dass ich nach dem Auftritt von Atlanta etwas Neues präsentiere. Ich mag Goldschmuck, da lag diese hochkarätige Version als Clou doch auf der Hand. Wir mussten einfach noch einen draufsetzen.

Aber das Gold, mit dem Sie in Atlanta imponierten, trugen Sie nicht an den Füßen, sondern um den Hals. Mit Ihren Olympiasiegen über 400 und 200 Meter haben Sie sich damals ein Denkmal gesetzt. Was motiviert Sie jetzt noch in Sydney?

Nun, das liegt doch auf der Hand. Es ist immer noch für jeden Sportler das Größte, einmal bei Olympischen Spielen dabei zu sein. Auch für mich.

Es sind Ihre dritten Spiele - auch Ihre letzten?

Ja. Und ich will mich hier noch einmal in einem großen Wettkampf beweisen. Es ist ja keineswegs garantiert, dass ich hier die Goldmedaille über die 400 m gewinnen werde.

Sie haben einmal gesagt, dass die Leute immer "etwas Großes" von Ihnen erwarten. Alles andere als Gold wäre doch eine Enttäuschung.

Das denken vielleicht die Fans im Stadion. Ich nicht. Ich weiß verdammt gut, welche harte Arbeit dahintersteckt, um Olympiasieger zu werden. Es gibt immer sieben andere Läufer im Finale, die das gleiche Ziel vor Augen haben.

Von Ihnen erwartet man nicht nur Siege, sondern auch noch überragende Zeiten. Wie wichtig ist es für Sie, eine Zeit unter 43 Sekunden zu laufen und einen neuen Weltrekord in Sydney aufzustellen?

Es ist kein Geheimnis, dass ich hier gerne eine 42er Zeit laufen möchte. Das ist aber mehr eine persönliche Motivation, da ich den Weltrekord ja sowieso besitze. Bei Olympischen Spielen geht es primär nicht um neue Bestzeiten. Man kann ohnehin keinen Weltrekord aufstellen, ohne auch das Rennen zu gewinnen. Gold steht für mich an erster Stelle, dann sehen wir weiter.

Anders als in Atlanta können Sie in Sydney nur über 400 Meter antreten. Wie sehr wurmt es Sie. Über 200 Meter haben Sie sich bei den Trials in Sacramento verletzt. Das muss einen Perfektionisten wie Sie doch unglaublich ärgern.

Nein. Als Athlet muss man einfach damit rechnen, dass nicht alles nach Plan läuft. Ich habe meine Oberschenkelverletzung von den Trials auskuriert und mich der neuen Situation angepasst. Natürlich war ich enttäuscht, aber jetzt geht es darum, ein perfektes Rennen über die 400 m abzuliefern.

In Atlanta lastete ein ungeheurer Druck auf Ihnen - und hier?

Das ist etwas ganz anderes, ich hatte hier in der ersten Woche mehr Genuss und Entspannung als während der gesamten Zeit in Atlanta. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch - natürlich hat mir Atlanta sehr viel Freude bereitet, ich habe mich dort als großer Leichtathlet etabliert. Aber das sind nun mal meine letzten Spiele, und da möchte ich besondere olympische Erfahrungen sammeln. Sydney ist für mich ein ganz anderes Vergnügen.

Ihr ehemaliger Rivale Carl Lewis will jetzt nach Hollywood - und Sie?

Abwarten. Wann, wie und wo ich aufhöre, das werde ich mir erst nach dem Ende dieser Saison überlegen. Nach meiner Karriere als Sportler will ich erst einmal etwas ganz anderes sein.

Was denn?

Ein guter Vater.

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