• Michael Preetz hatte bislang wenig Gelegenheit zum Triumphieren. Jetzt hofft er auf Profilierungschancen

Sport : Michael Preetz hatte bislang wenig Gelegenheit zum Triumphieren. Jetzt hofft er auf Profilierungschancen

Klaus Rocca

Einen Fernsehjournalisten, der ein Zitat von ihm isoliert gebracht und ihn damit verärgert hatte, stellte er kürzlich zur Rede. Im Vorjahr hätte Michael Preetz wahrscheinlich kaum so reagiert. Ein wenig dünnhäutig ist er schon geworden, der Topscorer der letzten Saison. Auch wenn er versichert: "Ich bin gut drauf."

Was verwunderlich wäre. Wer hätte nicht dafür Verständnis, wenn die Nerven des Hertha-Stürmers angegriffen sind. Es läuft einfach nicht beim "Langen". Magere zwei Tore, die beim 2:1 gegen Duisburg, zwei Ein- und zwei Auswechslungen, ein verschossener Elfmeter, sogar Pfiffe der von ihm zuvor so verwöhnten Fans - da kann keine Freude aufkommen. Kommt auch nicht. "Natürlich kann ich mit dem, was ich bisher erreicht habe, ebenso wenig zufrieden sein wie Ali Daei mit seiner Ausbeute", gesteht Preetz. Nie und nimmer hätte er es sich träumen lassen, beim Anpfiff eines Spiels auf der Reservebank sitzen zu müssen. Er, der im stattlichen Fußballer-Alter von 31 Jahren erstmals das Nationaltrikot überziehen durfte und der nach seinen 23 Treffern in der letzten Saison von allen Seiten hofiert wurde. Derzeit muss Preetz froh sein, in der Anfangsformation Herthas zu stehen.

Natürlich hat sich Preetz über die Gründe der Misere Gedanken gemacht. Er spricht von einer "Verkettung unglücklicher Umstände". Zu denen selbstverständlich das Pech mit dem Armbruch gehört. Noch immer habe er "mächtige Schmerzen, wenn ich mich beim Fallen auf dem betroffenen Handgelenk abstütze". Es könnte sich gerächt haben, dass Preetz nach eigenem Bekunden den Gips "vier Wochen zu früh" hatte abnehmen lassen, weil er auf seinen Einsatz brannte. Oder weil die Mannschaft und der Trainer nach ihm riefen. Zunächst spielte er mit Manschette, zuletzt gegen Barcelona nur mit einem Tapeverband. Die Angst spielt weiter mit. Und sorgt, mindestens im Unterbewusstsein, für Verunsicherung. Das Resultat: siehe oben.

Doch es liegt nicht nur an ihm selbst. Michael Preetz sieht bei all seinen Mannschaftskameraden Substanzverluste, bedingt durch die zusätzlichen Belastungen durch die Champions League. Preetz: "Da kommt der eine oder andere einen Schritt zu spät." Und irgendwie vermisst er auch des Öfteren die Flanken, von denen so kopfballstarke Spieler wie Ali Daei und er eben auch selbst profitieren. "Wir sind beide nicht der Spielertyp, der sich an der Mittellinie den Ball holt und dann bis zum Torschuss nach vorn rennt", weiß Preetz.

Er ist zuversichtlich, heute in Wolfsburg von Anfang an dabei zu sein. Zu Recht. Trainer Jürgen Röber: "Ich fange mit Michael an. Er hat gegen Barcelona eine ansprechende Leistung geboten." Kopfschmerzen bereiten Röber dagegen weiterhin die vielen Ausfälle, wieder acht an der Zahl. Nun muss er auch noch auf Dick van Burik (Sehnenreizung) verzichten. Gerade der Niederländer hatte zuletzt mit starken Leistungen aufgewartet. Für ihn rückt Ante Covic in den Kader. In dem steht auch der zuletzt für die Partie gegen Barcelona ausgebootete Kjetil Rekdal. Ob er spielt, ließ Röber gestern offen. Inzwischen wird bereits spekuliert, ob Rekdal am Saisonende, ebenso wie van Burik, den Verein verlässt.

Der letzte Bundesligasieg Herthas war der am 2. Oktober gegen Duisburg. Der mit den Toren von Michael Preetz.

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